Die Geschichte des Satiremagazins TITANIC

Böse, oh so böse sein!

Bevor es die Titanic gab, war in der Bundesrepublik für Satire die Zeitschrift PARDON zuständig. Ab 1962 wurden hier aber auch Bereiche wie Literatur oder Philosophie beackert und die Beilage Slapstick brachte den Lesern sogar das Medium Comic näher.

Die Geschichte des Satire Magazin TITANIC
Hilke Raddatz

Besonders bemerkenswert war die als Provinz-Zeitung getarnte Rubrik “Welt im Spiegel – WimS“, in der Robert Gernhardt, F. W. Bernstein und F. K. Waechter ihre Texte veröffentlichten. Doch Ende der 70er Jahre war PARDON nach Meinung viele Mitarbeiter wie Peter Knorr “aus den lichten Höhen rational aufklärerischer Satire in die Schleimgruben esoterischer Weltsicht“ geraten.

Hilke Raddatz
Hilke Raddatz

Im Laufe der Jahre hatten sich viele PARDON-Mitarbeiter, wie neben Gernhardt, Bernstein und Waechter auch Clodwig Poth vom Magazin getrennt und suchten nach einer neuen Veröffentlichungsmöglichkeit. Zunächst sollte das neue Satiremagazin “Die Sonne“ heißen, denn dadurch waren Rubriken wie “Sonnenbrille“, “Sonne Unverschämtheit“ und vor allem “Sonne Scheiße“ möglich. Doch “Die Sonne“ ging unter, denn sie war urheberrechtlich geschützt und im November 1979 tauchte erstmals das endgültige Satiremagazin TITANIC auf.

Die Geschichte des Satire Magazin TITANIC
Hilke Raddatz

Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Bewusst geschmacklose Titelbilder, die Zonen-Gabi im Glück oder – kurz nach dem Selbstmord von Uwe Barschel – Björn Engholm in der Badewanne zeigen, sind der garantierte Aufreger des Monats. In bitterbösen Texten und vor allem in ebenso kunstvollen wie komischen Zeichnungen werden Würdenträger und Wichtigtuer veralbert. Zu bremsen ist diese Maschinerie weder durch Gerichtsverfahren noch durch erboste Leserbriefe, für die es im Magazin keinen Platz gibt. Stattdessen schreibt Titanic “Briefe an die Leser“, die besonders unangenehm aufgefallen sind.

Die Geschichte des Satire Magazin TITANIC
Hilke Raddatz

Gleich in der ersten Ausgabe nutzte TITANIC diese Rubrik dazu sich zu positionieren. Den “lieben Genossen vom KBW“ schrieb die Redaktion, dass es dem Magazin in erster Linie darum ging “Reibach“, “Kies“ und “Riesenkohle“ zu machen. “Ideologie-Kritik und ästhetische Kommunikation“ dienten hingegen lediglich dem Zeitvertreib. Ganz anders fiel die Selbstdarstellung des Blatts im Brief an die “lieben Freunde im Unternehmer-Verband“ aus: “Nieder mit der Macht des Kapitals! Mit den Waffen der Satire die Multis bekämpfen! Den kritischen Intellekt als Faustpfand gegen Imperialismus undsoweiter einsetzen! Böse, oh so böse sein!“

Die Geschichte des Satire Magazin TITANIC
Hilke Raddatz

Die Wirkung dieser Schmähbriefe an die Leser wird zudem noch durch sehr treffsichere Karikaturen von Hilke Raddatz gesteigert. Extra für unsere Ausstellung hat die Hamburger Zeichnerin aus ihren im Laufe der letzten 40 Jahre angewachsenen Fundus 19 Karikaturen von bayerischen Prominenten wie Franz Beckenbauer, Uschi Glas oder Markus Söder ausgewählt, von denen einige hierabgebildet sind.

Die Geschichte des Satire Magazin TITANIC

Nicht nur die Rubrik “Briefe an die Leser“ zeigt, dass zum Erfolg von TITANIC die richtige Mischung aus Wort und Bild beigetragen hat. Neben Wort-Akrobaten wie Max Goldt, Heinz Strunk, dem DDR-Agitator Karl-Eduard von Schnitzler (“Sudel-Ede“) oder dem kürzlich verstorbenen Wiglaf Droste haben sehr viele in völlig unterschiedliche Richtungen arbeitende Cartoonisten, Karikaturisten und Comic-Zeichner für Titanic gearbeitet.

Die Geschichte des Satire Magazin TITANIC

Man denke nur an Walter Moers, Gerhard Seyfried, Volker Reiche, Manfred Deix, Gerhard Haderer, Gary Larson oder dem auf Bühne und Zeichenpapier gleichermaßen hochtalentierten Otto Waalkes. Dieser verdankte seinen Erfolg auch dem Wortwitz der TITANIC-Autoren Bernd Eilert, Peter Knorr und Robert Gernhardt. Letzterer brachte es auf den Punkt: “Unser Sechser im Lotto war Otto“, woraufhin der Ostfriese konterte: “Mein Überraschungs-Ei, das waren die Drei“.

Titanic
Hilke Raddatz

Wir freuen uns auch, dass viele der aktuell für die TITANIC arbeitenden Zeichner uns einige ihrer Werke ausgewählt haben. Durch die Unterstützung vom Caricatura Museum Frankfurt, von Christoph Müller und von Gabriele Roth-Pfarr können wir zudem noch einige Originale von Titanic-Großmeistern wie Robert Gernhardt, F. W. Bernstein, Chlodwig Poth, Hans Traxler oder Bernd Pfarr präsentieren. Die Ausstellung wäre nicht denkbar ohne die Unterstützung vom amtierenden TITANIC-Chefredakteur Moritz Hürtgen. Besonderer Dank gebührt Rudi Hurzlmeier, der Kontakte herstellte, das Plakat und vor allem einige seiner altmeisterlich in Szene gesetzten Geistesblitze zur Ausstellung beisteuerte.