Batman ’89

In den 60er-Jahren produzierte Dino De Laurentiis mit Diabolik und Barbarella zwei Comicverfilmungen, deren Optik stark vom Stil ihrer Regisseure Mario Bava und Roger Vadim geprägt war. Doch erst Tim Burton gelang 1989 das Kunststück nicht nur einen eigenwilligen Film über eine ikonische Comicfigur zu drehen, sondern zugleich auch einen Blockbuster.

Burtons Batman wurde 1989 zu einem so gewaltigen Erfolg, dass er bei der Fortsetzung machen durfte was er wollte. Batman Returns ist daher stilistisch noch abgedrehter, blieb kommerziell jedoch weit hinter seinem Vorgänger zurück. Daher wurde Burton durch Joel Schumacher ersetzt, dessen Filme Batman Forever und Batman & Robin weit davon entfernt sind Klassiker zu sein.

Als DC beschloss einen Comic im Stil der Burton-Filme zu produzieren, wurde der damalige Co-Drehbuchautor Sam Hamm gebeten, die Story zu schreiben. Sein Batman ’89 versteht sich als direkte Fortsetzung zu Burtons ersten Film. Zwar spielt die von Michelle Pfeiffer so beeindruckend verkörperte Catwoman eine große Rolle, doch ansonsten hat der Comic wenig am Hut mit Burtons wilden Fantasien aus Batman Returns .

Vielmehr wird eine recht gradlinige Geschichte geboten, die sich auf einem relativ hohen Niveau mit Rassismus auseinandersetzt und einen “Robin of Colour“ auftreten lässt. Thematisch dazu passend, hat der farbige Darsteller Billy Dee Willams (Lando Calrissian aus Star Wars), der 1989 in Burtons Batman nur in einer Nebenrolle als Staatsanwalt Harvey Dent zu sehend war, im Comic einen ganz großen Auftritt.

Zentrales Thema bei Batman ’89 ist die Verwandlung von Dent in Two-Face, wobei es nur konsequent ist, dass die Optik dieses populären Batman-Schurken aus der durch die Burton Filme beeinflusste Zeichentrickserie Batman Animated übernommen wurde.

Genau wie die zeitgleich erschienene Comic-Miniserie Superman ’78 ist auch Batman ’89 ein herrlicher Spaß für Nostalgiefreunde, dessen gebundene US-Ausgabe noch zusätzlich dadurch punkten kann, dass sich unter dem Schutzumschlag ein Cover befindet, das den Look einer Videokassette hat…

Heiner Lünstedt

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Superman ’78

1978 entstand die vielleicht einflussreichste Verfilmung eines Superhelden-Comics. Drei Jahrzehnte bevor die großartige schauspielerische Leistung von Robert Downey Jr. als Iron Man die Grundlage des Marvel Cinematic Universe schuf, präsentierte bereits Richard Donners Superman: The Movie mit Marlon Brando, Gene Hackman, Glenn Ford und Maria Schell eine absolute Starbesetzung.

Zugleich war es aber auch die richtige Entscheidung, für die Titelrolle auf einen Newcomer zurückzugreifen. Christopher Reeves ist immer noch der Darsteller, der die beste Figur im hautengen blauen Kostüm mit dem roten S macht. Nachdem die drei Fortsetzungen nicht an den Erstling anknüpfen konnten, war erst einmal Schluss mit den Superman-Filmen.

Doch so mancher Fan wird darüber nachgedacht haben, wie eine richtig gute Fortsetzung zu Donners Filmklassiker ausgesehen hätte. Eine mögliche Antwort liefert ein Comic, in dem Superman die Gesichtszüge von Reeves trägt.

Hier wird der Mann aus Stahl mit seinem Erzfeind Brainiac konfrontiert, der in den Entwurfszeichnungen von Wilfredo Torres ein wenig so aussieht, als wenn Hollywoods wohl berühmtester Glatzkopf Yul Brynner (Die glorreichen Sieben, Westworld) ihn verkörpern würde. Brynner hatte sich zwar 1978 vom Filmgeschäft verabschiedet, doch er wäre eine gute Wahl als Comicschurke gewesen.

Der Comic spielt in jener herrlich unschuldigen Zeit als Lois Lane (gut zu erkennen: Margot Kidder) noch keine Ahnung hatte, wer Superman ist und ihren Kollegen Clark Kent für ein Landei hält. Zudem ist es nicht ungeschickt, wie es dem Autor Robert Venditti gelingt, Marlon Brando als eigentlich längst verstorbener Superman-Vater Jor-El in seinen Comic zu schmuggeln.

Superman ’78 ist genau wie die zeitgleich erschienene Comic-Miniserie Batman ’89 ein herrlicher Spaß für Nostalgiefreunde, dessen gebundene US-Ausgabe noch zusätzlich dadurch punkten kann, dass sich unter dem Schutzumschlag noch Cover befindet, das den Look einer Videokassette hat…

Heiner Lünstedt

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Cosey: Jonathan

Bevor er zu seinem Schöpfer in die Schweiz zurückkehrt, bricht Jonathan noch einmal zu einem großen Motorradtrip durchs Himalaya auf. Dort muss er drei Monate in einem Kloster verbringen, um auf seine Freundin Drolma zu warten, mit der er einst, als sie noch ein kleines Mädchen war, allerlei Abenteuer erlebte.

Während Jonathan hofft, dass Drolma bald auftaucht, muss er erfahren, dass es das Schicksal mit Rinzin, einer anderen Weggefährtin, nicht gut gemeint hat und es für die Chinesen immer selbstverständlicher wird, sich in Tibet als Herrscher aufzuspielen…

Bernard Cosandey alias Cosey (Auf der Suche nach Peter Pan) stammt genau wie sein Lehrmeister Derib aus der Schweiz. Während Derib in Comics wie Yakari oder Buddy Longway von der Naturverbundenheit der Indianer erzählt, fühlt sich Cosey zur Bergwelt des Himalajas hingezogen.

Seine Serie Jonathan fesselt durch Geschichten, denen anzumerken ist, dass Cosey eigene Erlebnisse und Beobachtungen eingearbeitet hat. Auch seine klaren Bilder und die leuchtenden Farben faszinieren.

Bemerkenswert ist auch, dass Cosey den Lesern Vorschläge macht, welche Musik sie während der Lektüre hören sollen. Da es sich um sehr “stimmungsvolle Comics“ handelt, empfiehlt er als Soundtrack Mike Oldfield, Chopin, Keith Jarrett, Kate Bush, Bob Dylan, Eric Clapton, The Kinks, Ella Fitzgerald oder Heilgesänge aus Tibet.

1975 starte die erste Jonathan-Geschichte Auf der Suche nach der Erinnerung als Fortsetzungsserie im belgische Magazin Tintin. Hierin erzählt Cosey, wie Jonathan nach Tibet reist, um dort seine einstige Jugendliebe Saicha wiederzusehen, die er einst als Flüchtlingskind in der Schweiz kennenlernte. Doch Saicha ist bei einem chinesischen Luftangriff umgekommen. Da Jonathan von der Landschaft und den Bewohnern des Himalayas fasziniert ist, beschließt er die Bergwelt zu bereisen.

Bis 1986 zeichnete Cosey nahezu jährlich eine Geschichte mit Jonathan, wobei er in Das Privileg der Schlange einer Hauptfigur das Aussehen von Derib verpasste. Diese ersten elf Alben wurden bei uns von Carlsen veröffentlicht.

Nach dem in den USA und auch kurz in Disneyland angesiedelten Zweiteiler Onkel Howard ist zurück / Greyshore Island wandte sich Cosey anderen Comicprojekten wie Der Buddha des Himmels, Calypso oder der Kurzgeschichten-Sammlung Ein Haus von Frank Lloyd Wright zu.

Es sollte mehr als ein Jahrzehnt vergehen, bis mit Der die Flüsse zum Meer geleitet das zwölfte Abenteuer von Jonathan erschien. Obwohl Abenteuer nur bedingt passt, denn konventionelle Erzählungen, in denen es darum geht, Schurken zu besiegen finden sich bei Cosey selten.

Ein roter Faden der Serie sind – neben der Schilderung der Versuche der chinesischen Befreier die Identität Tibets auszulöschen – die für Jonathan niemals glücklich endenden Liebesgeschichten, etwa mit der US-Amerikanerin Kate oder der chinesischen Offizierin Jung Lan.

Dank des Salleck Verlags, kommen wir auch in den Genuss der letzten Jonathan-Alben Der die Flüsse zum Meer geleitet, Der Geschmack des Songrong, Sie, oder: Zehntausend Glühwürmchen, Atsuko und Jene, die war wobei diesmal die Farben besonders leuchtend zum Abdruck kamen, da hier – anders als bei Carlsen – kein mattes Papier verwendet wurde.

Der 17. Band Der Weg nach Yeshe bildet den Abschluss der Serie. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass auch hierzulande die gebundene siebenbändige Gesamtausgabe von Jonathan erscheint, die die Lektüre der Comics durch Hintergrundinfos, Skizzen und Fotos aus dem Himalaya vertieft.

Heiner Lünstedt

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Jonas Valentin Gesamtausgabe 2

Als Resümee der von ihm redaktionell betreuten zweibändigen Gesamtausgabe schreibt Jean-Pierre Abels: »Jonas Valentin hat einen im Comic einzigartigen Weg zurückgelegt. Den Autoren ist es gelungen, ihr Ziel zu verwirklichen, jedes Mal eine andere Geschichte zu erzählen. Trotz ihrer zeitlichen Abstände und der begrenzten Anzahl der Alben sowie der zunehmend unkonventionelleren Themen hat sich die Serie im Gedächtnis der Leserschaft festgesetzt.«

Dies kann ich nur bestätigen, denn zahlreiche Momente der fünf zwischen 1987 und 2003 entstandenen Alben sind mir auch nach Jahrzehnten noch äußerst angenehm in Erinnerung geblieben. Der erste Band der Gesamtausgabe zeigt, dass es außer den Alben noch sehr viel mehr Bildergeschichten mit Jonas Valentin gibt. Der im Original Broussaille (französisch für “Gestrüpp“) genannte rothaarige Wuschelkopf mit der erstaunlich randlosen Brille debütierte bereits 1978 im Magazin Spirou.

Bei den zuerst in Schwarzweiß veröffentlichten “Papieren von Jonas Valentin“ handelte es sich zunächst um keine Comics, sondern um Texte mit Naturbetrachtungen, die Frank Pé (Zoo, Marsupilami: Die Bestie) reich und detailfreudig illustriert zu Papier gebracht hatte. Doch nach und nach kamen Farbe, immer mehr Comicelemente und der Autor Michel de Bom hinzu. Dieser schrieb auch die Szenarien zu Der Traum des Wals und Die Hüter des Lichts, den ersten beiden Alben mit Jonas Valentin.

Der zweite Band der Gesamtausgabe startet mit Die Nacht der Katze, dem ebenfalls von Bom getexteten und möglicherweise besten Album der Reihe. Auf dem ersten Blick geht es nur darum, dass Jonas eine Nacht lang in Brüssel nach seiner entlaufenden schwarzen Katze sucht. Doch dabei passieren eine Unmenge amüsanter aber auch erschreckender Ereignisse, die darin gipfeln, dass sich Jonas ein Herz nimmt und seine Freundin Valerie dazu bringt die Wohnung ihrer herrschsüchtigen Mutter zu verlassen und zu ihm zu ziehen.

Danach sollte es über zehn Jahre dauern, bis 2000 endlich ein vierter Band der Serie erschien. In Unter zwei Sonnen gestaltet Frank Pé gleich zwei Geschichten. Die geheime Macht des Jizo wurde bereits 1994 im Magazin Spirou veröffentlicht. Hier schrieb der Zeichner auch das Szenario, das sehr viel mehr als ein Vorwand ist, um die stimmungsvollen Impressionen, die Frank Pé bei einer Japan-Reise zu Papier brachte, in einen Comic zu verwandeln.

Die Geschichte erzählt davon, wie Jonas und seine Freundin Valerie bei einem Preisausschreiben, das auf dem Etikett einer Katzenfutterdose abgedruckt wurde, einen Flug nach Tokio gewinnen.

Dort verlieren sie sich im Gedränge der U-Bahn aus den Augen. Sie haben große Schwierigkeiten einander wieder zu finden, da sie jene Plätze aufsuchen, von denen sie vermuten, dass der jeweils andere diese gerne sehen würde.

Die zweite Geschichte Sandrine von den Hügeln stammt wieder von Frank Pé und Bom. Diesmal reist Jonas ins afrikanische Burundi, um in einer Familienangelegenheit zu vermitteln, bei der es um eine kranke Großmutter und ein kleines Adoptivkind geht. Dabei trifft Jonas nicht nur auf seine teilweise recht kauzigen Verwandten, sondern hat auch Begegnungen mit Gorillas und Krokodilen.

Dieser zweite Beitrag des Albums Unter zwei Sonnen ist ebenfalls ganz große Comickunst, auch wenn die komplizierte Geschichte manchmal etwas die Sicht auf Franks Zeichnungen verbaut, die wieder auf vor Ort angefertigte Skizzen basieren.

Im fünften Band Der Faun auf den Schultern arbeitet Frank Pé erneut ohne Texter und unterläuft völlig die an ein Comicalbum geknüpften Erwartungen. Er zergliedert den Band zunächst scheinbar planlos in Short Stories. Diese schildern alltägliche Beobachtungen von Jonas und sind teilweise neu gezeichnete Versionen seiner zwanzig Jahre zuvor entstandenen “Papiere von Jonas Valentin“.

Frank Pé bietet dabei aber auch philosophische Naturbetrachtungen, die sich zu einem faszinierenden Gesamtbild zusammensetzen. Dieses wird durch die Gesamtausgabe noch vertieft, denn hier sind noch weitere bisher bei uns unveröffentlichte Geschichten mit dem Faun enthalten.

Frühling mit Jonas Valentin von 2021

Zum Abschluss des großartigen Bandes gibt es noch den 2021 entstandenen zweiseitigen Comic Frühling mit Jonas Valentin und ein ebenfalls Hoffnung machendes Zitat von Bom zu Frank Pé: “Wenn wir uns mal begegneten, fragte ich ihn: »Machen wir wieder was zusammen? Wann setzen wir Jonas Valentin fort?« Und er antwortete: »Ah, wie ich mich freue, dass du mich das fragst!«

Heiner Lünstedt

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Alois Nebel

Der Film spielt in den 80er-Jahren kurz vor und nach dem politischen Umschwung in Osteuropa. Hauptschauplatz ist Bíly Potok ein abgelegenen Ort an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze. Hier arbeitet Alois Nebel als Fahrdienstleiter.

Alois Nebel

Vor allem wenn es nebelig trüb wird, was in der abgelegenen Gegend recht häufig geschieht, bekommt Alois Nebel seine düsteren Erinnerungen auch nicht mehr durch das Lesen von Kursbüchern in den Griff. Als dann auch noch ein mysteriöser Fremder die Grenze überschreitet, werden einige scheinbar lange verdrängte Gespenster der Vergangenheit wieder verdammt real…

Alois Nebel

Formal ist der auf dem gleichnamigen Comic von Jaroslav Rudiš und Jaromír 99 basierende Trickfilm Alois Nebel ein Meisterwerk. Die meisten Szenen wurden zunächst mit realen Darstellern gedreht und dann durch Rotoskopie und Computer-Animation so verfremdet, dass der Film wie ein perfekt bewegter (aber auch bewegender) schwarzweißer Comic mit klaren harten Konturen wirkt, der stilistisch irgendwo zwischen Persepolis und Sin City angesiedelt ist.

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Die Geschichte ist erstaunlich vielschichtig. Erzählt wird von Deutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden, sowie von Wendehälsen, die zu allen Zeiten ihre Schwarzmarktgeschäfte durchziehen und auch nach dem Abzug der sowjetischen Truppen weiter an den Schalthebeln der Macht sitzen.

Alois NebelDoch in erster Linie geht es um die zu Depressionen neigende Hauptfigur Alois Nebel, der es zunehmend schwerer fällt noch in seiner klar strukturierten Eisenbahner-Welt klar zu kommen.

 

 

Émile Bravo: Spirou oder die Hoffnung

Dass sich jene Comics, die auch gerne Graphic Novels genannt werden, gelegentlich mit sehr ernsten Themen beschäftigen, dürfte seit Art Spiegelmans Maus kein Geheimnis mehr sein. Doch es überrascht, wenn sich eine für Kinder und Jugendliche konzipierte Traditionsserie mit Krieg und Holocaust beschäftigt.

Émile Bravo versetzte Spirou, den belgischen Comichelden im Pagenkostüm, in seine Entstehungszeit zurück und konfrontierte ihn mit der damaligen Historie. In Porträt eines Helden als junger Tor entwickelt der sich hauptsächlich für Hergés Comics mit Tim und Struppi interessierende Spirou angesichts des drohenden Zweiten Weltkriegs und durch die Liebe zu einer jungen Polin ein politisches Bewusstsein.

Der Comic blieb keine Eintagsfliege, denn als Fortsetzung schrieb und zeichnete Bravo anschließend mit Spirou: oder die Hoffnung ein 350-seitiges Epos, das sich eingehend mit der Besatzungszeit in Belgien beschäftigt. Spirous Freund, der Journalist Fantasio, droht zum Kollaborateur zu werden, ähnlich wie Hergé, der seine Comics damals in von den Deutschen kontrollierten Zeitungen veröffentlichte.

Im Gegensatz dazu unterstützt Spirou – genau wie seinerzeit das gleichnamige frankobelgische Comicmagazin – die Résistance. All dies thematisiert Bravo und sein Comic zeigt auch, wie Spirou in einem Zug voller gefangen genommener Juden sitzt und in Richtung Konzentrationslager fährt… 

Batman: Der Kult

Ganz auf einer Stufe mit Frank Millers kurz zuvor entstandenen Batman-Meisterwerken The Dark Knight Returns und Year One steht dieser Comic nicht. Doch dem ansonsten auch als Zeichner tätigen Jim Starlin und dem vor allen für seine gruseligen Bilder im Magazin Creepy oder der DC-Serie Swamp Thing bekannten Bernie Wrightson gelang 1988 ebenfalls ein äußerst einflussreicher Batman-Comic.

In ihrer vierteiligen Miniserie The Cult erzählen Starlin und Wrightson auf über 200 Seiten davon, wie es dem angeblich schon seit mehreren Jahrhunderten auf Erden wandelnden Diakon Blackfire gelingt, Gothams Obdachlose um sich zu scharen und dazu zu bringen kleine Gauner zu ermorden. Als sich Batman in die städtische Kanalisation begibt, um den Spuk ein Ende zu machen, hat das katastrophale Folgen für den Dunklen Ritter.

Durch Drogen und Folter gelingt es Blackfire den Fledermausmann zu brechen und zu einem Teil seiner Gefolgschaft zu machen. Diese tritt an, um in Gotham scheinbar für Recht und Ordnung zu sorgen. Doch der Diakon will Chaos entfesseln, um die Ordnungskräfte zu destabilisieren und die Stadt unter seine Kontrolle zu bringen. Als Batman versucht wieder er selbst zu werden, überschreitet er die Grenzen seiner körperlichen und geistigen Belastungsbarkeit…

Starlin erzählt seine hochspannende Geschichte geschickt verschachtelt, während Wrightson diese mit großartiger morbider Grafik und ungewöhnlichem Seitenlayout in Szene setzt. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die gelegentlich ganz schön grelle Farbgebung von Bill Wray, die dazu beiträgt, dass The Cult zu einem außergewöhnlichen Werk wurde, das Comics wie Batman: Knightfall und Filme wie The Dark Knight Rises maßgeblich beeinflusste.

Nachdem Batman: Der Kult 1989 beim Hethke Verlag in vier Softcover-Alben erschienen ist, hat Panini den Klassiker in neuer Übersetzung als gebundene DeLuxe Edition im Format 19 x 28 cm herausgebracht.

Heiner Lünstedt

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Post Americana

Dieser dystopische Comic macht Hoffnung für die nahe Zukunft, denn hierin geht unsere halbwegs zivilisierte Welt erst am Ende des 23. Jahrhunderts durch von tektonische Verschiebungen und Erdbeben unter.

Doch so manche Komponente der Geschichte wecken Zweifel daran, ob der Autor und Zeichner Steve Skroce wirklich exakt recherchiert hat oder seine Informationen einfach nur aus Werken der Trivialkultur wie Mad Max, The Walking Dead oder dem Texas Chainsaw Massacre bezogen hat.

Andererseits hat Steve Skroce bereits Großes geleistet. Er arbeitete mit den Geschwistern Wachowski bei der Matrix-Trilogie und weiteren Filmen zusammen. Als Zeichner einer von Brian K. Vaughn (Y – The Last Man) geschriebenen Miniserie absolvierte er ein perfektes Training für Post Americana. Vaughan erzählt in We Stand on Guard davon, dass im Jahre 2112 sich das Klima so verändert, dass dadurch die Wasservorräte der USA zur Neige gehen und daher versucht wird, Kanada zu besetzen.

Auch in seiner Eigenproduktion Post Americana traut der Kanadier Skroce den Bewohnern der USA nicht über den Weg. Er erzählt von einer gewaltigen Bunkeranlage namens The Bubble, in der im Falle einer Katastrophe die hellsten Köpfe des Landes daran arbeiten sollen, die alte Ordnung wiederherzustellen. Doch stattdessen verbarrikadiert sich dort der Geldadel und feiert weiter Partys. Im apokalyptischen Ödland formiert sich Widerstand, der von der jungen Carolyn angeführt wird, die Spezial-Prothesen an Armen und Beinen trägt.

Trotz markanter Auftritte von Kannibalen und Mutanten setzt Steve Skroce nicht nur auf Splatter, sondern lässt auch geisteskranke Superhelden auftreten. Seine Geschichte steht immer wieder kurz davor völlig durchzuknallen und seine Bilder quellen über vor lauter ganz schön kranker Details.

Variantcover von Geof Darrow

Passend dazu stammt eines der Variant-Cover zu Pax Americana von Skroces großem Vorbild Geof Darrow (Hard Boiled). Post Americana ist zwar nicht der große ökologische Weckruf, aber immerhin ein ganz schön subversiver Katastrophen-Comic.

Heiner Lünstedt

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Karl der Kleine: Printenherz

Nachdem sich Karl der Kleine in seinem letzten Abenteuer mit globalen Problemen auseinandersetzte und in der Klimahölle landete, steht im Zentrum seines neusten Comics wieder die Kaiserstadt Aachen. Dies ist die Wahlheimat des aus Hamburg stammenden Zeichners Alfred Neuwald alias Neufred (Die Weltenbummler, Stups der kleine Schwertwal) und in Aachen erfreut sich sein kleiner Karl großer Beliebtheit.

Das Album Printenherz wurde nach Karls Lieblingsnahrungsmittel benannt und im Zentrum der Geschichte steht ein Aachener Stadtoriginal. Der schlaksige Lennet Kann war ein Lebenskünstler, der sich durch diverse Festivitäten und Begräbnisse schnorrte. Dabei war er so einfallsreich und liebenswert, dass ihm kaum jemand böse sein konnte und er noch heute im Aachener Karneval weiterlebt.

Damit eine Begegnung zwischen Karl der Kleine, der im heutigen Aachen ansässig ist, und dem 1916 verstorbenen Lennet Kann möglich ist, hat sich Neufred ein besonders originelles Szenario ausgedacht. Auf dem Altstadtflohmarkt findet Karl ein Comicheft, in dem sein bester Kumpel als Superheld auftritt. Als er dem freundlichen Wassergott Granus das Druckerzeugnis zeigt, ist dieser entsetzt.

Die blaubärtige Gottheit, die bereits seit Jahrtausenden in Kleidern herumläuft, möchte jetzt endlich ihre weibliche Seite ausleben und fortan Grannini genannt werden. Da passen Auftritte als männlicher Superheld nicht mehr ins neue Gesamtbild. Durch eine Zeitreise soll verhindert werden, dass Ludwig Mies van der Rohe die Erfolgsserie mit Granus zeichnet. Dies macht durchaus Sinn, denn der Mann könnte ja schließlich auch als Architekt arbeiten…

Einmal mehr gelang Neufred ein kurzweilig erzähltes Abenteuer, das er wieder sehr sorgfältig recherchiert hat. Daher ist es zwar verwunderlich, doch historisch im Rahmen des Möglichen, wenn Indianer durch Aachen galoppieren, denn Buffalo Bill präsentierte dort 1891 seine Wild West Show.

Heiner Lünstedt

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Lewis Trondheim: Herr Hase – Beim Teutates!

Das Erstaunlichste an diesem Comic ist, dass er überhaupt erscheinen konnte. Noch 1993 trieben die deutschen Anwälte von Albert Uderzo einen Verleger in den Ruin, der es gewagt hatte durch Alben, deren Helden Alcolix oder Isterix hießen, einen Erfolgsserie mit ähnlichem Titel zu parodieren.

Lewis Trondheim (Donjon, A.L.I.E.E.N., Texas Cowboys, Mickey’s Craziest Adventures) hingegen zeichnet die Bewohner des kleinen gallischen Dorfes nicht nur in seinem unverwechselbaren reduzierten Stil, sondern lässt diese sogar unter ihren Klarnamen Obelix, Majestix oder Miraculix auftreten. Trondheim spricht im Impressum des Comics Goscinny und Uderzo seine „aufrichtige Bewunderung“ aus. Für alle, die die Abenteuer von Asterix weiterführen, empfindet Trondheim ebenfalls Sympathie, aber auch Mitgefühl.

Als zusätzliche Absicherung hat sowohl L’Association in Frankreich als auch der deutsche Reprodukt Verlag auf das Cover noch einen Sticker mit der Aufschrift „Dies ist kein Asterix-Album!“ geklebt. All dies scheint geholfen zu haben, denn der Band konnte erscheinen, ohne dass jemandem der Himmel auf den Kopf gefallen ist.

Trondheim verpasst Obelix zwar eine etwas gewöhnungsbedürftige Kartoffelnase und seine Kämpfe gegen die Römer enden erstaunlich blutig. Doch es handelt sich um keine boshafte Rundumverarsche und Trondheims erzählerischer Ansatz hätte wohl auch René Goscinny gefallen. Die Geschichte handelt davon, dass im Dörfchen plötzlich jemand erscheint, der sich als keltischer Gott Teutates ausgibt und den Galliern im Kampf gegen die Römer beistehen will…

Beim Teutates! ist zugleich auch ein weiteres der zahlreichen seit 1995 erscheinenden haarsträubenden Abenteuern von Trondheims tierischem Helden Herrn Hase. Dieser befindet sich diesmal durch nur sehr unzureichend erklärte Umstände – jemand hat eine Maschine erfunden, mit der man in Bücher reisen kann –  plötzlich im Körper von Asterix.

Die daraus resultierenden Verwicklungen sind mindestens so komisch, wie fast alle Asterix-Alben, die nach dem Tode von Goscinny erschienen sind.

Heiner Lünstedt

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