Guillem March: Karmen

Zu internationalen Ruhm brachte es Guillem March, als Zeichner einer sehr erotischen Catwoman. Der Spanier setzte danach weiterhin sehr ansprechend DC-Heldinnen in Szene, verwirklichte aber auch ein Herzensprojekt im klassischen europäischen Albumformat.

Catwoman: The New 52

Karmen erzählt von der Studentin Catalina, die immer noch in ihren Sandkisten-Freund Xisco verliebt ist und sich aufdringlich in dessen Liebesleben einmischt. Als sie zu erkennen glaubt, dass sie emotional auf den Holzweg ist, beschließt Catalina sich das Leben zu nehmen. Dies ruft Karmen auf den Plan.

Guillem March: Karmen

Die rothaarige Frau mit den Sommersprossen trägt einen Skelettanzug und dokumentiert im Auftrag höherer Mächte, wie Erdenbürger zu Tode kamen, bevor sie in die nächste Daseinsebene wechseln. Dies ist eigentlich eine schnell erledigte Routinetätigkeit, doch Karmen lässt sich Zeit und befasst sich sehr intensiv mit Catalina. Karmen zweifelt am Sinn von Catalinas Selbstmord und pocht zum Entsetzten ihrer Vorgesetzten an der Weltordnung…

Guillem March: Karmen

Da Catalina sich in der Badewanne die Pulsadern aufgeschnitten hat, geistert sie splitternackt durch die Zwischenwelt. Diesen Vorwand nutzt Guillem March zwar ausgiebig, um seine Fähigkeit attraktive Frauen zu zeichnen zur Schau zu stellen, doch nicht minder sinnlich präsentiert er die Schönheit seiner Heimatstadt Palma de Mallorca. Dies gipfelt in einer beeindruckend in Szene gesetzten Doppelseite, die zeigt wie Catalina über der Kathedrale der Heiligen Maria schwebt.

Guillem March: Karmen

Doch nicht nur die Bilder sprechen für den Comic, der auf zahlreichen Ebenen begeistert. So lässt March seine beiden Hauptfiguren – unbemerkt von den Mallorquinerinnen und Mallorquinern – durchaus tiefsinnig über den Sinn des Lebens plaudern. Zugleich stellt er interessante und amüsante Theorien über das Leben nach dem Tode auf. Guillem March gelang mit Karmen ein sinnlicher Comic, der optisch und inhaltlich fesselt.

Heiner Lünstedt

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Donald macht Ferien

Seit 2016 veröffentlicht der französische Verlag Glénat edel aufgemachte Disney-Comics, die kunstvoll von Individualisten wie Cosey, Régis Loisel oder Tébo gezeichnet wurden und von Micky Maus erzählen. Ausnahmen wie Donald‘s Happiest Adventures von Lewis Trondheim und Nicolas Keramidas bestätigten diese Regel.

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In einer zweiten Welle folgten Alben, in denen Disney-Routiners die Möglichkeit gegeben wurde,  durch prachtvoll in Szene gesetzte Geschichten zu zeigen, was in ihnen steckt. Das Resultat waren etwas wirr erzählte, aber wunderschön anzusehende Geschichten, wie Micky Maltese von Giorgio Cavazzano oder Micky in der alten Welt von Silvio Camboni und Denis-Pierre Filippi.

Donald macht Ferien

Aktuell steuerten Federico Bertolucci und Frédéric Brrémaud einen Band zur Glénat-Reihe bei. Das Duo begeisterte zuvor durch die bei uns bei Popcom erschienene Serie Love, die grandios in Szene gesetzte Liebesgeschichten aus der Tierwelt erzählt. Auch Les vacances de Donald kommt ganz ohne Worte aus, ist aber alles andere als eine Love Story. Vielmehr wird davon erzählt, wie der zu Wutausbrüchen neigende Enterich versucht dem Lärm der Großstadt zu entkommen und erleben muss, dass es auch in der freien Natur alles andere als stressfrei zugeht…

Donald macht FerienDie Hauptinspirationsquelle zu Brrémauds Story und Bertolucci großartigen Bildern waren Disneys klassische Animations-Kurzfilme. Der Auftakt des Comics mit Donald, der nicht einschlafen kann, lässt an den Cartoon Drip Dippy Donald von 1948 denken. Die Bären des Waldes erinnern an Rugged Bear und eine Horde von Ameisen transportiert den schlafenden Donald wie in Tea for two hundred von seinem Zelt weg. Ahörnchen und Behörnchen alias Chip an′ Dale fühlen sich in Donald macht Ferien, wie zuvor bereits in zahlreichen Animationsfilmen, von Donald gestört. Auch dass das Album in weniger als zehn Minuten durchgelesen bzw. durchgeblättert ist, erinnert an die Disney-Cartoons.

Heiner Lünstedt

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Charles Berbérian: Shamhats Liebhaber

Charles Berbérian schuf zusammen mit Philippe Dupuy die Erfolgsserie Monsieur Jean. In letzter Zeit hat er in Jukebox seiner Liebe zur Rock- und Popmusik Ausdruck verliehen und in Cinerama beschäftigt er ich auf eine ähnlich persönliche Nerd-Art mit den “besten schlechten Filmen“, die ihn prägten. Doch seine frühe Jugend verbrachte der 1959 in Bagdad geborene Berbérian in einem anderen kulturellen Umfeld.

Charles Berbérian: Shamhats Liebhaber

Als er “Mitte der 1960er-Jahre damit beschäftigt war, “im Irak aufzuwachsen“ brach sein Vater mit ihm zu einem Ausflug zu den Hängenden Gärten von Babylon auf. Der kleine Charles war nicht begeistert, denn er wäre lieber mit seinen Freunden zum Abkühlen ins Schwimmbad gegangen. Er hoffte darauf, dass es wenigstens “Rolltreppen geben, würde um von einem Garten zum nächsten zu kommen.“ Berbérian fand nur ein “Labyrinth aus kargen nackten Mauern“ vor und wollte nie wieder etwas mit Babylon zu tun haben.

Charles Berbérian: Shamhats Liebhaber

Sehr viel später wurde er durch Ausstellungsstücke im Louvre doch noch angefixt von der assyrisch-sumerischen Kultur. Einige Jahre nach Jens Harder machte sich Berbérian daran, den mit Abstand ältesten überlieferten Text der Menschheit als Comic zu adaptieren. Das durch zwölf teilweise stark beschädigte Tontafeln überlieferte Original des Gilgamesch-Epos wies etliche Lücken auf. Berbérian füllte diese nach seinem Gusto.

Charles Berbérian: Shamhats Liebhaber

Seine Version der Dreiecksgeschichte zwischen Gilgamesch, Enkidu und Šamḫat ist sehr gut lesbar, auch dank einer nicht eben kleinen Dosis kunstvoll aquarellierter Erotik.

Heiner Lünstedt

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Franz Zumstein: Der Wüstenfalke

2005 startete beim französischen Verlag Delcourt die Serie Le Falcon de Desert des Schweizers Franz Zumstein, die nach fünf Alben abgeschlossen war.

Franz Zumstein: Der Wüstenfalke

Der Comic verwundert durch seinen seltsamen Umgang mit der Historie. Als Der Wüstenfalke 2009 als Fortsetzung im Magazin Zack gestartet wurde, vermeldete Spiegel Online sogar einen “Absturz mit Nazi-Flieger“.

Franz Zumstein: Der Wüstenfalke

Tatsächlich werden im ersten Band Martuba Airfield sowohl der deutsche Kampfflieger Hans-Joachim Marseille alias “Der Stern von Afrika“ als auch Generalfeldmarschall Erwin Rommel sehr positiv dargestellt. Die Hauptfigur der Serie ist jedoch der in Libyen aufgewachsene Ali, der deutsch-italienische Eltern hat und sich von klein auf für Flugzeuge begeistert.

Franz Zumstein: Der Wüstenfalke

Daher sucht Ali  1942 die Nähe des Afrikakorps und erhebt sich schon recht bald mit einer erbeuteten britischen Hawker Hurricane in die Lüfte. Der junge Mann sammelte zuvor bereits “Flugerfahrung“ an einem Simulator, den der Vater seiner Freundin Aisha aus Schrottteilen zusammengebastelt hatte.

Franz Zumstein: Der Wüstenfalke

Auch Aisha ist durch Übungen an der mit Horizont bemalten Rüttel-Tonne problemlos in der Lage ein Flugzeug zu starten und zu landen. Hans-Joachim Marseille und später dessen Mechaniker Schulze versorgen das junge Paar mit erstaunlich treffsicheren Prophezeiungen zum Auffinden von Alis Eltern und verlorenen Schätzen…

Franz Zumstein: Der Wüstenfalke

Die eine Odyssee quer durch Europa erzählende Serie ist ein nicht gerade vor Logik strotzender abenteuerlicher Vorwand für Franz Zumstein, um Kampfflugzeuge des Zweiten Weltkriegs aber auch Erotikszenen zu zeichnen. An der Darstellung der Schrecken des Krieges und der Untaten des Nationalsozialismus zeigt Zumstein hingegen wenig Interesse, auch wenn kurz das Konzentrationslager Dachau zu sehen ist.

Franz Zumstein: Der Wüstenfalke

Nachdem alle fünf Alben von Der Wüstenfalke bei Comicplus+ veröffentlicht wurden, erscheint beim Stefan Riedl Verlag eine gebundene Gesamtausgabe, von der auch eine limitierte Special Edition mit signiertem Druck, Schutzumschlag, anderem Cover und zusätzlichen redaktionellen Seiten erhältlich ist.

Heiner Lünstedt

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Jerry Spring 1: Golden Creek

Von 2010 bis 2012 veröffentlichte Ehapa in einer fünfbändigen Gesamtausgabe alle von Joseph Gillain alias Jijé gezeichneten Jerry-Spring-Geschichten. Der Einfluss dieser 1954 im Le Journal de Spirou gestarteten Western-Serie auf die europäische Comic-Landschaft kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Jerry Spring 1: Golden Creek

Jijé war als Zeichner zur Stelle als im Zweiten Weltkrieg der Spirou-Schöpfer Rob-Vel in Kriegsgefangenschaft geriet und nach der Besetzung Belgiens US-Comics wie Superman oder der Western Red Ryder nicht mehr im Spirou-Magazin erscheinen durften. Jijé sprang immer wieder bei der Serie Spirou als Zeichner ein und kreierte mit Valhardi eine eigene Abenteuer-Reihe.

Jijé: Jerry Spring

Durch den Zwang zur Eigenproduktion stand der belgische Comic in der Nachkriegszeit auf eigenen Füßen. Für einen weiteren wichtigen Impuls sorgte eine Reise durch die USA und Mexiko, zu der Jijé 1948 zusammen mit seinen jungen Kollegen André Franquin (Gaston) und Morris (Lucky Luke) aufbrach. Dort bekamen die Zeichner einen authentischen Eindruck vom immer noch recht Wilden Westen, der sich auf unterschiedliche Weise in ihren Werken niederschlug.

Jerry Spring 1: Golden Creek

Jijé konnte bei Jerry Spring auf seine vor Ort in Nordamerika angefertigten Skizzen zurückgreifen. Doch auch Einflüsse von US-Zeitungscomics, wie das markante schwarzweiße Artwork von Milton Caniff bei Steve Canyon schlugen sich nieder. Anfangs zeichnete Jijé Jerry Spring nicht, wie in Frankobelgien üblich, mit vier Panel-Reihen pro Seite, sondern ließ sich von den US-Comicheften zu einem großzügigeren Layout inspirieren.

Jerry Spring 1: Golden CreekDer erste Band einer beim All Verlag gestarteten neuen Gesamtausgabe von Jerry Spring, enthält als Beigabe eine sechsseitige Western-Romance-Story, die Jijé 1950 für den US-Verlag DC zeichnete. Die Ehapa-Gesamtausgabe von Jerry Spring präsentierte die Serie in Schwarzweiß, was durchaus Sinn macht, da Jije das Kolorieren langweilte und er es bereits nach wenigen Alben nicht mehr selber ausführte.

Jerry Spring 1: Golden Creek

Der All Verlag setzt hingegen auf Farbe und startet seine Veröffentlichung mit dem ersten Album Golden Creek. In der Reihe kommt auch das 22. und letzte Jerry-Spring-Abenteuer Der Zorn der Apachen zum Abdruck, das zehn Jahre nach dem Tode von Jijé erschienen ist und 1990 von Franz (Lester Cockney) gezeichnet wurde.

Jerry Spring 1: Golden Creek

Die Ausgaben des All Verlags erscheinen in einem etwas größeren Format als die Ehapa-Edition. Abgesehen vom glänzenden Papier wurde sich dabei anscheinen an der Blueberry – Collector’s Edition orientiert. Dies macht durchaus Sinn, denn der Blueberry-Zeichner Jean Giraud alias Moebius lernte sein Western-Handwerk bei Jijé. Dieser wiederum zeichnete das Cover zum ersten Blueberry-Album Fort Navajo.

Heiner Lünstedt

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Hägar – Gesammelte Chroniken

Im Mai 2017 hatte Egmonts Gesamtausgabe von Dik Brownes Hägar mit der Veröffentlichung des 29. Bandes die damalige Gegenwart fast eingeholt. Das schon lange vergriffene Buch enthielt alle zwischen Anfang 2014 und Ende 2016 in den Zeitungen veröffentlichten Tagesstrips. Die querformatige Hardcover-Reihe wurde nach dem Erscheinen dieses Bandes eingestellt und die fehlenden Hägar-Sonntagsstrips nicht mehr nachgeliefert.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Mittlerweile hat der All Verlag seine Gesammelten Chroniken von Hägar gestartet, in denen in der korrekten Reihenfolge jahrgangsweise Sonntags- und Tagestrips zum Abdruck kommen. Die querformatigen Hardcover Bände erscheinen “regal-kompatibel“ zur Egmont-Ausgabe in der gleichen Höhe von 17 cm, sind allerdings etwas breiter, wodurch die Comics leicht vergrößert reproduziert werden konnten.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Das Lettering und die Übersetzung von Michael Bregel sind gleichgeblieben. Doch historisch korrekt startet der Band mit Hägars ersten Comicauftritt vom Sonntag dem 4. Februar 1973. Bereits am darauffolgenden Samstag gelang Dik Browne ein unvergesslicher Klassiker, der die Genialität seines Konzepts verdeutlicht.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Im Strip vom 10. Februar 1973 steht Hägar in tapferer Pose mit Schwert und Schild vor seiner Frau Helga und ruft martialisch aus: “Der Wind weht gen England, der Mond schreit nach Blut. Ruhm und Ehre warten, ich sag nur… mach´s gut!“ Seine Ehefrau Helga erwidert ungerührt: “Nimm bitte den Müll mit raus.“

Hägar – Gesammelte Chroniken
Band 1 der Gesammelten Chroniken enthält ein interessantes Nachwort von Dr. Stefan Schmatz.

Genau diese Mischung aus Historien-Klischees und zeitloser Alltäglichkeit, die auch schon die Familie Feuerstein zu einem so großen Erfolg werden ließ, machte Hägar the Horrible nahezu augenblicklich zu einem gewaltigen Erfolg. Noch heute erscheint die mittlerweile von Dik Brownes Sohn Chance gestaltete Serie weltweit täglich in fast 2.000 Zeitungen.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Zeitgleich mit der 1973er-Edition veröffentlicht der All Verlag einen weiterer Band der Gesammelten Chroniken.  Dieser schließt nahtlos an Egmonts Gesamtausgabe an und enthält alle 2017 entstandenen Hägar-Comics, die seinerzeit von Dik Brownes Sohn Chris gezeichnet wurden.

Heiner Lünstedt

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F. Ibáñez: Ausgeflippt – Fischstraße 13

Endlich ist sie da, die Fortsetzung der Reihe F. Ibáñez präsentiert:. Gut zwei Jahre nach Tom Tiger präsentiert uns der spanische Meisterzeichner Francisco Ibáñez (Clever & Smart wurde bei Carlsen ebenfalls neu aufgelegt) seine legendären Bewohner der Fischstr. 13.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Konzeptionell weniger ein Comic als eine Sammlung von Cartoons. Jede Seite zeigt den Querschnitt eines dreistöckigen Mietshauses mit immer den gleichen Zimmern und Bewohnern. Dort gibt es etwa im Erdgeschoß einen Tante-Emma-Laden, dessen Besitzer mit allen Tricks arbeitet.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Ein Stockwerk darüber betreibt ein Tierarzt seine Praxis für ganz schwierigen Fälle. Im zweiten Stock führt ein unheimlicher Monster-Doktor die bizarrsten Experimente durch. Im selben Haus wohnen auch eine tierliebe alte Dame, die immer wieder Opfer ihrer Schützlinge wird, sowie ein Gauner, der seiner Frau das irrsinnigste Diebesgut mitbringt und viele weitere Mieter…

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Zeichnerisch sieht das Ganze aus wie eine Humorseite aus alten Tagen. Das Artwork wirkt altbacken und die Gags zünden oft nicht wirklich. Erst durch die “Lektüre“ mehrerer Seiten und das Kennenlernen der Mieter gewinnt das Ganze. Der rote Faden sind die Bewohner und ihre Eigenheiten. Wie bei einer Soap Opera schmunzelt der Betrachter,  nachdem er die Charaktere erst einmal ins Herz geschlossen hat, auch über die weniger guten Gags.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Weil eine klare Handlung fehlte, konnte sich der junge Ibáñez bei 13, Rue del Percebe ab 1961 richtig austoben. So taucht beispielsweise das Monster von Loch Ness aus der Kanalisation auf, illegale Untermieter werden in Flaschen und Schubladen gequetscht und der besagte Monster-Doktor sucht per Aushang einen Tester für Sitzgelegenheiten, ohne zu verraten, dass es sich dabei um elektrische Stühle handelt.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13
Condor Verlag

Besonders originelle Resultate erzielen Themen, die sich aufs ganze Haus auswirken. Wenn beispielsweise, weil im Sommer das Eis knapp wird, ein Wal per Flaschenzug an der Fassade hochgezogen wird, oder aufgrund eines Erdbebens das ganze Haus kopfsteht. Bizarrer, verspielter und schwarzhumoriger waren auch Clever & Smart in ihren besten Jahren nicht. Wenn man so möchte: Ibanez pur und unzensiert.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13
Carlsen

Die Seiten wurden neu eingescannt und koloriert und sehen sehr viel besser aus, als in den Ausgaben die bei uns von 1981 bis 1986 fünfzehn Bände beim Condor Verlags erschienen sind. Der Text wurde von Steffen Haubner neu übersetzt. Einziges Manko: Es gibt weder eine Einleitung noch ein Nachwort. Im Gegensatz zur Tom Tiger-Ausgabe ist diesmal nichts über die Serie und ihre Entstehung zu erfahren. Ich hoffe auf Besserung beim nächsten Band von F. Ibáñez präsentiert:, mein Vorschlag wäre Mein Gott, Walter?

Matthias Schäfer

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Popeye – Bibliothek der Comic-Klassiker

Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt, doch gut zweieinhalb Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinungstermin, wurde Carlsens Bibliothek der Comic-Klassiker um einen Band über E. C. Segars Popeye ergänzt. Das Warten hat sich gelohnt.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Das Buch kommt im Pappschuber und Querformat daher und enthält farbige Sonntagsseiten die zwischen 1933 und 1938 in den Zeitungen veröffentlicht wurden. Darunter befinden sich auch die beiden Geschichten Plünder Eiland und Goldfund am Schlangenbach, sowie die Onepager- Sammlung Popeye, Papi und Popi.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Außerdem gibt es noch ein sehr interessantes (und unerlässliches) Vorwort von Alexander Braun (Will Eisner – Graphic Novel Godfather). Dieser widmet sich dem vermeintlichen Antisemitismus durch die Figur George W. Geezil dem Erzfeind von Popeyes Freund Wimpy, der in der deutschen Ausgabe Kolja K. Kauzich heißt. (Anmerkung hierzu: E.C. Segar war Jude). Mehr über Popeyes Entstehungsgeschichte und Wissenswertes aus dem Segar-Universum ist im Nachwort von Ralph Trommer zu erfahren.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Die Übersetzung stammt von Matthias Wieland, dem einige gelungene Sprüche eingefallen sind, um Segars Popeye-Kauderwelsch in die heutige Zeit übertragen. Beispiel: „Das ist dein Problem, Wimpy: Man reicht dir den kleinen Finger und du nimmst gleich die ganze Anatomerie“. Überhaupt braucht der Band den Vergleich mit der legendären Popeye– Ausgabe des Mare Verlags von 2006 nicht zu scheuen, sondern ist eine gute Ergänzung dazu, lediglich die Geschichte Plünder Eiland ist in beiden Ausgaben enthalten.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Zu Segars Humor wurde vermutlich schon alles gesagt. Deutlich wird bei dieser Zusammenstellung, wie mannigfaltig dieser gerade in den Onepagern daherkommt. Mal gibt es Slapstick, dann geht es surreal oder grotesk zu. Bisweilen gleiten die Geschichten auch ins Melancholische oder Dramatische ab, bleiben dabei aber immer human und lebensbejahend.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Wie kein anderer Comiczeichner war Segar ein Chronist der Depressions-Ära der 30er-Jahre, der wusste, was sein Publikum brauchte. Sein oft unterschätzter, vermeintlich simpler Federstrich, der die Mimik seiner Protagonisten auf den Punkt bringt, unterstreicht die Bodenständigkeit von Popeyes (und E.C. Segars) Charakter.  Die hier gezeigte Welt – irgendwo zwischen Vaudeville-Humor und purer Poesie – bringt Segar stimmig bis in den letzten Kringel zu Papier.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

E.C. Segar starb 1938 mit nur 44 Jahren. Was wohl aus Popeye geworden wäre, hätte sein Schöpfer sich ihm länger als zehn Jahre widmen können? Fakt ist, dass kein Popeye-Zeichner nach Segar je wieder dessen Niveau erreicht hat. Hier sind sie nun endlich, die originalen, unverstellten Popeye-Comics vom Meister.

Matthias Schäfer

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Die Känguru-Comics

Zuerst als Podcast und dann in Buchform schildert Marc-Uwe Kling seit 2008 sein nicht unkompliziertes Zusammenleben mit einem aus Ostdeutschland stammenden Känguru, das einfach in seine Wohnung gezogen ist. Kling beschreibt seine Erlebnisse mit dem Beuteltier in kurzen, pointierten, in sich abgeschlossenen Kapiteln und seine vier Känguru-Bücher erreichten Millionenauflagen.

Die Känguru-Comics

Da konnte eine Verfilmung natürlich nicht ausbleiben und mit Die Känguru-Verschwörung steht im August bereits eine Fortsetzung an. Seit dem 29. November 2020 gibt es zudem noch Die Känguru-Comics. Diese erschienen werktäglich auf Zeit Online und es handelt sich dabei um Material, das Marc-Uwe Kling eigens für die Comic-Serie geschrieben hat.

Die Känguru-Chroniken

Die im allerfeinsten Funnystil realisierten Zeichnungen stammen von Bernd Kissel (Freistaat Flaschenhals). Genau wie die Zeitungs-Serien in den USA erscheinen auch Die Känguru-Comics unter der Woche als schwarzweißer meist aus vier Panels bestehender Strip und am Samstag als etwas längere farbige Comicgeschichte.

Die Känguru-Chroniken

Auslöser für die Entstehung des Comics war die Pandemie, durch die Kling keine Auftrittsmöglichkeiten mehr hatte und “sich etwas anderes suchen musste, um die Zeit totzuschlagen“. Auch daher beschäftigen sich die Känguru-Comics – ähnlich wie Volker Reiches in der FAZ veröffentlichte Serie Strizz – mit der aktuellen Nachrichtenlage. Daher hatte der Lockdown unmittelbare Auswirkungen darauf, was im Comic passierte. So sagt etwa das Känguru recht treffend zu Marc-Uwe: „Es wird Zeit, dass wir wieder unter andere Leute kommen.“

Die Känguru-Comics

Doch auch weitere Ereignisse inspirierten Kling. So gibt es einem “Strip im Strip“ namens Elon & Jeff on Mars, der von zwei Milliardären handelt, die sich auf einem unbewohnten Planeten gehörig auf den Keks gehen. Zu allem Überfluß bekommt das Duo auch noch Besuch von William Shatner.

Die Känguru-Comics

Mittlerweile ist bei Carlsen ein erstes Album mit den Känguru-Comics erschienen. Der querformatige Hardcoverband enthält alle Comics die 2020 und 2021 (im Juli gab es eine Sommerpause) erschienen sind. Zusätzlich gibt es noch ebenso aufschlussreiches wie amüsantes Bonusmaterial, enthalten sind etwa die ersten Skizzen, die dem Känguru gar nicht gefallen haben…

Heiner Lünstedt

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Osamu Tezuka: Die Geschichte der 3 Adolfs

Während der Olympischen Spiele 1936 wird in Berlin der Bruder des japanischen Sportjournalisten Sohei Toge ermordet. Gleichzeitig wird in Kobe eine erwürgte Geisha aufgefunden. An den Händen beider Leichen befinden sich Gipsspuren. Die Morde stehen anscheinend im Zusammenhang mit einem Dokument, das beweist dass Adolf Hitler einen jüdischen Großvater hatte. Sohei Toge ermittelt auf eigene Faust und gerät dadurch in arge Schwierigkeiten.

Osamu Tezuka: Die Geschichte der 3 Adolfs

Neben dieser Haupthandlung erzählt Osamu Tezuka (Astro Boy, Kimba – Der weiße Löwe) über die Freundschaft von zwei blonden deutschstämmigen Jungen, die in Japan leben und beide den Vornamen Adolf haben. Während der eine Adolf jüdische Eltern hat, ist der andere Adolf der Sohn eines Nazi-Karrierediplomaten und einer Japanerin und wird nach Deutschland auf eine Eliteschule der Hitlerjugend geschickt. Dort wird seine Freundschaft zum anderen Adolf auf die Probe gestellt und er trifft auch noch auf den dritten Adolf.

Osamu Tezuka: Adolf Bd. 1 - Mord in Berlin

Orientiert an tatsächlichen Begebenheiten, aber trotz eingefügter Zeittafeln nie trocken, erzählt der Altmeister des Mangas 1988 eine spannende Geschichte, die in ihrer packenden Mischung aus persönlichen Schicksalen und historischen Großereignissen an Herman Wouks Feuersturm-Romane erinnert.  Der Manga geht dabei verantwortungsvoll mit der Materie um. Ähnlich wie Keiji Nakazawa Serie Barfuss durch Hiroshima arbeitet Tezuka die unverantwortliche japanische Politik der 30er-Jahre auf, die das Land an der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands schließlich in den Zweiten Weltkrieg führte.

Osamu Tezuka: Adolf Bd. 1 - Mord in Berlin
© 2022 by Tezuka Productions / Carlsen

Nachdem die Serie bereits sehr erfolgreich in den USA veröffentlicht wurde, erschien Adolf bei uns erst 2005 mit einer Verspätung von über 20 Jahren in westlicher Leserichtung. Aktuell startete Carlsen eine Neuausgabe in drei Bänden.

Heiner Lünstedt

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