Emilé Bravo: Spirou oder die Hoffnung

2008 erregte Emilé Bravo (Pauls fantastische Abenteuer, Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen) sehr viel Aufsehen, als er ein Spirou-Abenteuer erzählte, das im Brüssel des Jahres 1939 (ein Jahr zuvor betrat Spirou die Comic-Bühne) spielte und in dem die Hauptfigur mit der markanten Pagenuniform tatsächlich in einem Hotel als “Mädchen für alles“ arbeitet.

Emilé Bravo: Spirou oder die Hoffnung # 1

Wichtiger war aber noch, dass Emilé Bravo aus dem ansonsten eher blässlichen belgischen Comic-Helden einen Menschen aus Fleisch und Blut machte. Der junge Spirou interessiert sich am Anfang der Geschichte eher für Tim und Struppi-Comics als für das tagespolitische Gesehen. Erst die aufkeimende Liebe zur polnisch-stämmigen Kassandra lässt den “jungen Toren“ (so der auch der Titel des Albums) erwachen werden und er beginnt sich einzumischen.

Emilé Bravo: Spirou oder die Hoffnung # 1

Gemeinsam mit dem noch sehr unreifen Helden bekommt auch der Leser einen äußerst lebendigen Einblick in die politischen Verhältnisse kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Der Spirou in diesem Comic war zwar noch etwas kindisch, die Geschichte hingegen äußerst erwachsen. In das selbe Horn stößt die zehn Jahre später entstandene Fortsetzung. Hier sehnt sich Spirou immer noch nach Kassandra, die vor einem Jahr irgendwo in den osteuropäischen Kriegswirren verschwunden ist.

Emilé Bravo: Spirou oder die Hoffnung # 1

Gleichzeitig muss Spirou erleben, wie deutsche Truppen in sein Heimatland Belgien einmarschieren. Emilé Bravo ist nicht daran interessiert eine Geschichte zu erzählen, in der “Tapferkeit und Mut die Geschehnisse positiv beeinflussen“, sondern er will zeigen, “dass es andere Formen des Widerstands gibt“. Daher zeigt er – im Gegensatz zum Spirou-Comic  Operation Fledermaus von Yann und Olivier Schwartz – auch keine als Schurken karikierte Wehrmachts-Soldaten, sondern die Besatzer bleiben eine gesichtslose Armee.

Emilé Bravo: Spirou oder die Hoffnung # 1

Spirou hingegen ist sichtlich gereift und stellt sich und anderen sehr oft die richtigen Fragen. Sein sonst für Slapstick-Einlagen sorgender Kumpel Fantasio ist hier allerdings ein gemeingefährlicher Kindskopf, der versucht die schrecklichen Zeiten zu seinem Vorteil zu nutzen und als Journalist perfide Propaganda-Texte verfasst. Es ist erstaunlich, was für reife (und ausgereifte) Geschichten in den letzten Jahren mit Spirou erzählt wurden. Zu dieser erfreulichen Entwicklung gehört auch, dass Emilé Bravo für Spirou und die Hoffnung ein epischer Umfang von vier Alben mit insgesamt über 350 Seiten zugestanden wurde.

Heiner Lünstedt

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