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The Marvels

Im Zentrum des 33. Films des Marvel Cinematic Universe stehen drei Superheldinnen. Da The Marvels jedoch die Fortsetzung zu Captain Marvel von 2019 ist, spielt Kamala Khandie Hauptrolle. Ihr zu Seite stehen Teyonah Parris, die als Monica Rambeau bereits bei Disney+ eine wichtige in WandaVision hatte, während Iman Vellani als Kamala Khan alias Ms. Marvel bereits eine eigene Serie hat.

Auch Regie – Nia DaCosta drehte zuvor den gelungenen Horrorfilm Candyman – und Drehbuch sind fest in weiblicher Hand. Das Trio traf ein paar etwas seltsame kreative Entscheidungen. So gibt es mit Aladna eine Art Musical-Planeten, auf dem die Landessprache Gesang ist und Captain Marvel als Prinzessin verehrt wird.

Hinzu kommt noch ein zweiter Musical-Bezug, denn bei der merkwürdigsten Szene des Films ist Barbara Streisand mit der Schnulze Memory aus Cats zu hören. Was die Katzen dazu im Film anstellen, möchte ich nicht verraten, weil es ohnehin nahezu unbeschreiblich ist.

Zwar verwundert der Verlauf der Geschichte recht häufig, doch es macht Spaß den drei Hauptdarstellern dabei zuzusehen, wie sie sich langsam aber sicher zu einem schlagkräftigen Team formieren und gegen die von Zawe Ashton ebenfalls recht charismatisch verkörperte Kree-Schurkin Dar-Benn antreten. Ein weiteres Plus des Films sind die souveränen Auftritte von Samuel L. Jackson als Nick Fury, die machen albernen Moment neutralisieren.

© 2023 Marvel

Die Blu-ray von Disney enthält neben dem 105-minütigen Film noch dieses Bonusmaterial: Audiokommentar von Nia DaCosta und Spezialeffekt-Künstlerin Tara DeMarco, wie alle Extras, wahlweise mit deutschen Untertiteln, Kurzdoku “Die Verschränkung“ (10:57 min), “Die Produktionstagebücher“ (5:30 min), “Pannen vom Dreh“ (1:59 min), sowie vier zusätzliche Szenen (insgesamt 5:48 min)

Heiner Lünstedt

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Supergirl

Im Streaming-Zeitalter werden immer weniger DVDs und Blu-rays verkauft. Um dennoch Nachschub für die meist nicht mehr ganz jungen Sammler und ihre großen Silberling-Bibliotheken zu produzieren, veröffentlichen von Labels wie Wicked Vision, Turbine Medien oder Plaion liebevoll aufgemachte aber nicht ganz billige Mediabooks, die so manchen Klassiker erstmals auf Blu-ray präsentieren.

Neu aufgelegt werden häufig Filme aus den Achtzigern und oftmals nicht gerade die erfolgreichsten oder “besten“ Werke, sondern eher “Guilty Pleasures“. Ein gutes Beispiel hierfür ist die aufwändig produzierte und mit Stars wie Peter O’Toole oder Mia Farrow prominent besetzte DC-Comicverfilmung Supergirl, die 1984 in den Kinos nicht einmal die Hälfte ihres Budgets von 35 Millionen Dollar einspielte.

Wer wie ich damals im Kino war, wunderte sich über die seltsame Ausrichtung, des im Windschatten der erfolgreichen Superman-Filme mit Christopher Reeve entstandenen ersten großen Kinoauftritts eines weiblichen Superhelden.

Der Film zielte offensichtlich weniger auf Actionfreunde, sondern eher auf junge Zuschauerinnen. Die Produzenten vermuteten, dass diese ganz entzückt wären, wenn zu sehen ist, wie die frisch auf der Erde gelandete kostümierte Heldin an einem Blümchen schnuppert und entzückt vor Freude gen Himmel abhebt.

Ähnlich albern geriet auch der Kern der Handlung, bei dem es zwar irgendwie um die Suche nach der Kraftquelle von Supergirls Heimat Argon City geht, doch hauptsächlich darum, dass sowohl die Heldin als auch die in einer Geisterbahn hausende Hexe Selena (gibt Vollgas: Faye Dunaway) scharf auf den Gärtner Ethan (nunja: Hart Bochner) sind.

Cover A

In diesem nicht gerade geschickt konstruierten Umfeld verpufften leider die wirklich guten Bestandteile des Films. Dazu gehören die großzügig angelegten Studiokulissen von Argon City, die guten oft mit Miniaturkulissen realisierten Spezialeffekte, das heroische Soundtrack-Leitmotiv von Jerry Goldsmith und vor allem die in ihrem Supergirl-Kostüm niemals albern wirkende Helen Slater.

Cover B

Ein optimal aufgemachtes Mediabook bietet aufgeschlossenen und toleranten Filmfans die Möglichkeit sich die guten und die peinlichen Momente von Supergirl in voller Pracht zu Gemüte zu führen. Enthalten sind neben der 93-minütigen deutschen Kinofassung noch zwei mit 124 Minuten (internationale Langfassung) und 139 Minuten (Director’s Cut) deutlich längere, aber nicht wirklich bessere Versionen.

Hinzu kommt ein von Fays Dunaway moderiertes 50-minütiges Making of, sechs Trailer, einige britische TY-Spots, eine 22-minütige selbstlaufende Zusammenstellung von Storyboards, eine Galerie mit 264 Abbildungen von internationalen Werbematerialien (darunter ein lustiges “Cut-Out Paper Doll Book“), sowie ein 20-seitiges Booklet mit einem Text von Christian Heiß, der sich hauptsächlich mit den Supergirl-Comics beschäftigt.     

Heiner Lünstedt

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Riad Sattouf: Esthers Tagebücher 7: Mein Leben als Sechzehnjährige

Nachdem Riad Sattouf seine sechsbändige Serie Der Araber von morgen abgeschlossen hat, geht es noch eine Weile weiter mit Esthers Tagebuch. Diese Reihe startete Sattouf 2015 und veröffentlicht die von ihm als Comic adaptierten Erlebnisse und Beobachtungen eines damals neunjährigen Mädchens aus seinem Bekanntenkreis regelmäßig auf einer Seite des Wochenmagazins L’Obs.

Die auch als animierte TV-Serie umgesetzten Comics will Sattouf bis zum 18. Geburtstag von Esther zeichnen. Bei Reprodukt liegt mit Mein Leben als Sechzehnjährige mittlerweile der siebte Band des Tagebuchs vor. Eshers hier beschriebenen Erlebnisse spielen sich inmitten der Corona-Pandemie ab. Auch der von Donald Trump ausgelöste Sturm auf das Kapitol spielt eine Rolle, wobei Esther “den mit den Hörnern“ für recht attraktiv hält.

Doch die weltpolitischen Ereignisse finden in den Geschichten meist nur im Hintergrund statt. Für die Hauptfigur sind es dramatischere Erlebnisse, wenn sie ohne Bargeld in den falschen Bus steigt oder bei rotzfrechen Mädchen, die nur geringfügig jünger als sie sind, “babysitten“ soll.

Eine große Rolle spielt auch Esthers mehr als problematisches Verhältnis zum anderen Geschlecht. Sie würde viel häufiger Metro fahren, wenn es dort nicht so viele glotzende Männer gäbe, und dass “Hurensohn“ ein Schimpfwort ist, sieht sie gar nicht ein, denn wenn eine Mutter für ihre Kinder auf dem Strich geht, so ist das doch vorbildlich.

So wie es aussieht, folgen noch zwei weitere Alben mit Seiten aus Esthers Tagebuch. Danach wird die junge Dame, die in Wirklichkeit einen anderen Namen trägt, ihr Leben unbeobachtet fortsetzen.

Heiner Lünstedt

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Huba! – Eine Marsupilami-Liebesgeschichte

André Franquin ließ Spirou und Fantasio 1952 in der Geschichte Eine aufregende Erbschaft im Dschungel von Palumbien das mysteriöse Marsupilami suchen. Sie fanden es und der Rest ist Comicgeschichte.

Fünf Jahre später folgte mit Das Nest im Urwald ein Comic, in dem ein naher Verwandter des gelbschwarze Fantasie-Tier mit dem Riesenschwanz in einem Film zu sehen sind, den die Reporterin Steffani im Dschungel von Palumbien gedreht hatte.

Zu sehen ist ein Marsupilami, das spielend mit Piranhas und einem Jaguar fertig wird, doch einige Schwierigkeiten damit hat, eine Artgenossin von sich zu überzeugen. Doch der Einsatz wird belohnt und am Ende der Geschichte gibt es schwarzgelben Drillings-Nachwuchs…

2010 erschien in Frankobelgien unter dem Titel Houba! Une histoire d’amour ein Band im Querformat, in dem die Rahmenhandlung mit Spirou, Fantasio und Steffani aus dem Comic Das Nest im Urwald entfernt wurde und ausschließlich die Szenen aus dem Dokumentarfilm enthalten sind.

Die Panels wurden gelegentlich etwas ummontiert und in prächtigen Farben  neukoloriert. Entfallen sind auch die Kommentare von Steffani, die eigentlich überflüssig sind, denn die aussagekräftigen Zeichnungen, die in dieser schönen Edition noch besser zu Geltung kommen sprechen für sich.

Den 100. Geburtstag des 1997 verstorbenen André Franquins feiert Carlsen mit einigen Sonderbänden. Neben Huba! – Eine Marsupilami-Liebesgeschichte erscheinen schön aufgemachte Ausgaben mit neu zusammengestellten Gaston-Onepagern oder mit allen schwarzen Gedanken, sowie eine Deluxe-Ausgabe der Spirou-Geschichte Die Bravo Brothers, die ebenfalls zeigt, wie großartig Franquin Tiere in Szene setzen konnte.

Heiner Lünstedt

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Diabolik wird gejagt

Um den über Leichen gehenden Meisterdieb Diabolik und seine geliebte Lady Eva Kant endlich dingfest zu machen, hat sich Inspektor Ginko einen besonders raffinierten Plan ausgedacht. Er hat einige tänzerisch begabte Polizistinnen als “Smaragd-Ballett“ auf Tournee geschickt und diese mit wertvollen Edelsteinen behängt.

Diabolik bleibt daraufhin nichts Anderes übrig, als sich als Polizist zu verkleiden und die jungen Damen mitsamt ihrem Schmuck zu kidnappen. Der Plan geht zwar auf, doch Ginko hat Sender in den Schmuck einbauen lassen. Dadurch kann er das geheime Versteck von Diabolik orten und stürmen. Diabolik entkommt zwar, muss aber Eva zurück lassen…

Beim zweiten Teil der Kino-Trilogie über den italienischen Fumetto-Antihelden Diabolik ist zwar wieder Miriam Leone als coole Eva Kant dabei, doch der Hauptdarsteller Luca Marinelli wurde durch Giacomo Gianniotti (Grey’s Anatomy) ersetzt. Auch diesmal orientierte sich das brüderliche Regie-Duo Marco und Antonio Manetti wieder sehr nah an der Comicvorlage.

Eine gute Vergleichsmöglichkeit bietet eine bei Plaion veröffentlichte Special Edition von Diabolik wird gejagt. Diese enthält neben einer Blu-ray und einer DVD auch ein 132-seitiges Taschenbuch mit dem 1964 erschienenen vierzehnten Diabolik-Comic.

Die gradlinig-spannende Geschichte der Giussani-Schwestern und die schlichten schwarzweißen Zeichnungen von Enzo Facciolo können immer noch fesseln. Die Handlung und den Look des Comics haben die Manettis teilweise fast 1:1 auf die Leinwand gebracht.

Einen Unterschied gibt es jedoch. Da innerhalb der Geschichte Diaboliks von Valerio Mastandrea verkörperter Gegenspieler Inspektor Ginko eine große Rolle spielt, wurde auch ihm eine Frau an die Seite gestellt. Für die erstmals im Diabolik-Comic # 22 auftretende sehr populäre Figur der Altea di Vallenberg konnte keine Geringere als Monica Bellucci verpflichtet werden!

Die Blu-ray von Plaion enthält neben dem 111-minütigen Hauptfilm noch eine Backstage-Doku (17:28 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln) und den deutschen Trailer (1:18 min)

Heiner Lünstedt

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Aliens – Die Entstehungsgeschichte

Nach seinem sorgfältig recherchierten und prachtvoll bebilderten Buch über die Entstehungsgeschichte von Ridley Scotts Alien ließ der 2021 verstorbene Jonathan Rinzler ein ähnlich gehaltvolles Buch über die Fortsetzung des Science-Fiction-Klassikers folgen. Der Dreharbeiten von Aliens fanden ebenfalls in britischen Filmstudios statt, doch die Probleme die James Cameron dort hatte waren andere.

Ridley Scott hatte zuvor zwar zahlreiche Werbespots, doch nur einen Spielfilm gedreht, doch als Engländer hatte er kaum Probleme mit der britischen Crew. Ganz anders war es beim US-Regisseur Cameron, der 1985 mit seiner als Produzentin fungierenden Ehefrau Gale Anne Hurd und einem eigenen Team nach England.

Da Terminator, der vorherige Film von Cameron und Hurd noch nicht in den britischen Kinos angelaufen war, wurden der Regisseur und die Produzentin von den Studiotechnikern nicht für voll genommen. Dies wurde nicht besser, als der Workaholic Cameron versuchte, die in Großbritannien üblichen Teepausen zu verbieten, um den engen Drehplan einzuhalten.

Jonathan Rinzler beschreibt in seinem Buch, wie die Lage am Set eskalierte und wie die Kreativkräfte dennoch wieder zusammenfanden. Durch opulente Bebilderung dokumentiert Rinzler auch, wie Cameron parallel zu den Dreharbeiten fast ohne Computerunterstützung beeindruckende Spezialeffekte mit Miniaturmodellen von Raumschiffen und militärischen Gerätschaften in Szene setzte.

Das Resultat ist ein dynamischer Science-Fiction-Film mit einer Sigourney Weaver, die zwar Waffen hasste, doch als Ripley mit vollem Einsatz den damals im Action-Kino alles andere als üblichen Prototyp einer selbstbewussten und tatkräftigen Frau spielte.

Heiner Lünstedt

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Mark Millar: Night Club

Genau wie seine Freunde Sam und May gehört der siebzehnjährige Danny Garcia in seiner Schule zu den Außenseitern. Um dies zu ändern versucht er es mit einem Fahrradstunt für seinen YouTube-Kanal. Doch statt in den Charts landet er im Krankenhaus. Während er dort um sein Leben kämpft, erhält er Besuch von Detective Nick Laskaras, der ein Vampir ist und weitete Blutsauger benötigt, um eine Mission zu erfüllen.

Greg Capullo

Durch einen Biss verwandelt Laskaras Danny in einen Vampir. Dieser hat mit seinen neuen Fähigkeiten so viel Spaß, dass er Sam und May davon überzeugt, sich von ihm beißen zu lassen. Das Trio besorgt sich Wrestler-Masken und formiert sich zu einem vampirischen Superhelden-Trio namens Night Club. Dies ist zunächst ein großer Spaß, doch diesen verdirbt ihnen Detective Laskaras ganz gehörig…

In letzter Zeit habe ich mich nur noch sehr selten über einen neuen Comic vom schottischen Autor Mark Millar (Wanted, Kingsman – The Secret Service) gefreut. Anstelle seiner immer wieder mitreißenden Ergänzungen zum Kick-Ass-Universum waren es Fortsetzungen von Serien wie Jupiter’s Legacy, The Magic Order oder Prodigy, die auf Netflix-Verfilmungen schielten und die Handlung eher verkomplizierten als weiter voranzubringen.

Ben Templesmith

Auch Night Club entstand in Zusammenarbeit mit Netflix, was wohl ermöglichte, dass Image die ersten fünf Comichefte der Serie für $1.99 anbieten konnte und der Abschlussband mit doppelten Umfang für $3.99 zu haben war. Was Millar in dieser Miniserie erzählt und der Spanier Juanan Ramírez großartig in Szene setzt, ist inhaltlich barrierefrei zugänglich und erzählt eine abgeschlossene Geschichte, die mit einem Micro-Cliffhanger endet. Night Club würde sich also bestens als Vorlage für einen Blockbuster mit Aussicht auf ein Franchise eignen.

Matteo Scalera

Es sei noch erwähnt, dass es Millar wieder gelungen ist, großartige Künstler wie Greg Capullo (Batman vs. Spawn), Ben Templesmith (30 Days of Night) oder Matteo Scalera (King of Spies) für die Titelbilder und Variantcover zu gewinnen. Einige davon sind auch in diesem Panini-Band zu bewundern.

Heiner Lünstedt

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Punisher – Anthologie

Dieser großformatige Hardcoverband feiert auf 320 Seiten den 50. Geburtstag eines “Bestrafers und Vollstreckers“. Enthalten sind die zehn wichtigsten und besten Comics mit Marvels Punisher.

Hinzu kommen informative Texte, aus denen auch hervorgeht, warum es einige Comics, wie die Begegnungen des Punishers mit dem Barbaren Conan oder dem ewigen Teenager Archie, nicht in diese Anthologie geschafft haben,

Eröffnet wird der Comicreigen mit dem ersten Auftritt des Punishers von 1974. In The Amazing Spider-Man 129 war der schwarze Mann mit dem Totenkopf auf der Brust eigentlich nur als Handlanger des ebenfalls in diesem Heft debütierenden Schurken The Jackal vorgesehen. Doch dank des großartigen Covers von John Romita Sr. und da in Gerry Conways Story bereits zu erahnen war, dass hier eine tragische Figur debütierte, stahl der Punisher dem Schakal die Show.

Bemerkenswert ist auch der zweite Comic in diesem Band, den Dennis O’Neil 1981 für das Amazing Spider-Man Annual 15 geschrieben hatte. Die Zeichnungen stammen von keinem Geringeren als Frank Miller, der zeitgleich große Erfolge mit seinen Daredevil-Geschichten feierte. Das Resultat, in dem der Punisher gegen Dr. Octopus antritt, kann dank des großartigen Artworks von Miller und seinem Inker Klaus Janson immer noch begeistern.

Ab 1986 konnte der Punisher auch als Solo-Antiheld begeistern und agierte in realistischen Umgebungen, in denen sich Marvel-Charaktere ansonsten nur selten blicken lassen. In der Miniserie Circle of Blood, von der das erste Heft in diesem Band enthalten ist, landete Frank Castle im Knast und ließ sich dadurch in seiner Tätigkeit als Bestrafer in keinster Weise bremsen.

Noch eine ganze Ecke beeindruckender ist das erste Heft der zwei Jahre später gestarteten Serie The Punisher: War Journal. Als Zeichner kam hier der damals schon beeindruckende Jim Lee zum Einsatz, der auf 28 Seiten gleich zwei Geschichten erzählte. Im unteren Viertel der Seiten setzte Lee in grellen Farben und ohne Text die Geschichte des tragisch endenden Central-Park-Picknicks der Familie Castle in Szene.

Ein weiterer Höhepunkt ist das 1992 erschienene erste Heft der Serie The Punisher: War Zone, in dem Chuck Dixon erzählt, wie Frank Castle unter dem Tarnnamen Johnny Tower scheinbar der Mafia beitritt. Doch natürlich kocht er sein eigenes Süppchen, was den großartigen John Romita Jr. immer wieder zu dynamischen Doppelseiten zum Drehen mit durchgehenden Motiven voller Brutalität inspirierte.

Punisher kills the Marvel Universe

1996 war ein entscheidendes Jahr in der Geschichte von Marvels Bestrafer, denn Garth Ennis trat in das Leben von Frank Castle. In The Punisher kills the Marvel Universe konnte der nordirische Autor nach Herzenslust über Superhelden herfallen. Seine Comic variiert die Origin des Punishers geringfügig und bei Ennis sind es keine Gangster, sondern die gegen Aliens ankämpfenden X-Men und Avengers, die die Schuld am Tod seiner Familie tragen.

Nick Castle trifft auf eine Gruppe, deren von gut betuchte Mitglieder ebenfalls geliebte Menschen als “Kollateralschaden“ beim Einsatz von Superhelden verloren haben. Der Punisher wird mit der nötigen Feuerkraft ausgestattet, um systematisch Superhelden zu töten. Doch kurz vor Abschluss seiner blutigen Mission beginnt er am Sinn seines blutigen Treibens zu zweifeln…

Ab 2000 schrieb Garth Ennis einige der besten Storys mit dem Punisher. Neben dem kompletten 44-seitigen Comic Punisher kills the Marvel Universe, den der Brite Doug Braithwaite in recht rohen aber wirkungsvollen Bildern in Szene setzte, enthält dieser Band auch das erste Heft der von Ennis geschriebenen und von Steve Dillon gezeichneten Miniserie Welcome Back, Frank. Dies war der Startschuss zu einer Reihe von weiteren grandiosen Punisher-Comics, die immer wieder von blutigen Ernst zu wahnwitziger Brachialkomik wechselten.

Dass es neben Garth Ennis auch weitere interessante Punisher-Autoren gibt, zeigen etwas aktuellere Comics. 2011 gab Greg Rucka (Whiteout, The Old Guard) dem Italiener Marco Checcetto im einen grandios verschachtelt erzählten Serienauftakt zu einer neuen Punisher-Serie die Möglichkeit zum stimmungsvoll kolorierten Ausloten der Möglichkeiten des Medium Comic.

Dass auch Frauen etwas mit der Figur des Punishers anfangen können. bewies einmal mehr die auch als Zeichnerin tätige Autorin Becky Cloonan. Für Steve Dillon schrieb sie 2017 bereits Punisher: Operation Condor. Dieser Band enthält eine pointierte Geschichte von Cloonan für über eine gestohlene Punisher-Pistole, die Kris Anka zeichnete.

Eine Figur wie der grimmige Punisher passt nur bedingt in ein vom Disney-Konzern erworbenes Marvel-Universum, zumal sich reale Söldner und zweifelhafte Gruppierungen mit dessen Totenkopf-Emblem schmücken. Daher gab es 2022 mit der Serie Der König der Killer einen Versuch die umstrittene Figur neu zu definieren.

Jason Aaron erzählt in seinem Punisher-Neustart davon, wie Frank Castle in die Fänge des Ninja-Kults Die Hand gerät. Die Erzpriesterin dieser weltweit operierenden Organisation will den Punisher anheuern und hat als Argumentationshilfe dessen ermordete Familie revitalisiert…

Grafisch ist die Serie teilweise interessant, was weniger an den routinierten realistischen Zeichnungen von Star-Wars-Zeichner Jesús Saiz liegt. Sehr viel interessanter sind die von Paul Azaceta (Outcast) in einem völlig anderen experimentellen Stil realisierten Rückblenden, in denen Aaron interessante Details aus der Jugend von Frank Castle nachliefert. Während dieser Teil des Comics überzeugt, ist das neue mit Hörnern versehene Totenkopf-Emblem des Punishers nicht der Bringer und gehört schleunigst wieder auf Anfang gestellt.

Heiner Lünstedt

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Tanguy und Laverdure Collector’s Edition 4

Am 29. Oktober 1959 erlebte in der ersten Ausgabe des Comicmagazins Pilote nicht nur Asterix seine Premiere, sondern auch eine weitere ebenfalls von Albert Uderzo gezeichnete Serie startete hier im wahrsten Sinne des Wortes durch.

Auch die Abenteuer der tollkühnen französischen Militärpiloten Michel Tanguy und Ernest Laverdure haben mittlerweile Klassikerstatus. Die Serie inspirierte zwei TV-Serien, sowie den aufwändigen französischen Kinofilm Sky Fighters.

Albert Uderzo blieb allerdings nur kurz an Bord und löste nach acht detailfreudig zu Papier gebrachten Alben mit Tanguy und Laverdure den Schleudersitz aus. Ein Wochenpensum von fünf Comicseiten pro Woche für Asterix und die Fliegerserie war für ihn nicht mehr zu bewältigen. Daher fragte er bei Joseph Gillain alias Jijé an, ob er die Serie übernehmen wolle. Zu Uderzos Überraschung war der Schöpfer von Comicerfolgen wie Valhardi oder Jerry Spring bereit in seine Fußstapfen zu treten.

Uderzo stand bei der Übergabe mit Rat und Tat zur Seite. Diese Zusammenarbeit beim Album Sondereinsatz resultierte in einigen höchst amüsanten und lässig in Szene gesetzten Slapstick-Aktionen, bei denen sich der tollpatschige Laverdure als Wintersportler versuchte.

Uderzo hielt es jedoch für keine gute Idee, dass Jijé das nach und nach das Aussehen von Tanguy und Laverdure änderte, damit sie den Darstellern Jacques Santi und Christian Marin (Der Gendarm von Saint Tropez) ähneln, die deren Rollen seinerzeit in der erfolgreichen TV-Serie Les Chevaliers du ciel spielten. Uderzo hatte damit nicht ganz unrecht, denn die TV-Serie ist heute vergessen, während Comics mit Tanguy und Laverdure immer noch erscheinen.

Ein gutes Beispiel ist die optimal zusammengestellte Collector’s Edition von Egmont. In den frei ersten Bänden kamen alle von Albert Uderzo gezeichneten Fliegercomics zum Abdruck. In der vierten Hardcoveredition sind nicht nur die ersten beiden albenlangen Geschichten von Jijé enthalten, sondern auch noch drei in Schwarzweiß gezeichnete Comics, die in der 1968 und 1969 in der kurzlebigen Taschenbuchreihe Super Pocket Pilote veröffentlicht wurden.

Diese jetzt im Albumformat abgedruckten Stories sind für Comicfreunde sehr interessant. Die erste, recht humoristische Geschichte erzählt davon, wie sich Michel Tanguy und Ernest Laverdure erstmals trafen. Soviel sei gespoilert: Es war nicht gerade Freundschaft auf den ersten Bilck. Die zweite Geschichte Flugzeug in Flammen ist ebenfalls recht amüsant und zeigt die Piloten im amourösen Zweikampf.

Bemerkenswert ist die letzte Kurzgeschichte Ein Pilot tappt in die Falle, denn diese Story wurde von Jijé plastisch mit Grautönen „koloriert“. In der interessant zusammengestellten Einleitung des Buchs kommt auch eine in Spanien veröffentlichte Alternativversion der ersten Comicseite dieser Geschichte zum Abdruck, Diese wurde knallbunt eingefärbt und dabei auch noch zensiert, denn ein Transistorradio wurde so verschoben, dass sich dahinter jetzt das zuvor gut zu sehende Bikinioberteil einer jungen Dame befindet.

Heiner Lünstedt

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Peacemaker

James Gunn (Guardians of the Galaxy) erhielt bei The Suicide Squad von DC/Warner völlige Narrenfreiheit. Zwar spielte auch Margot Robbie als Harley Quinn eine wichtige Rolle in der Fortsetzung von David Ayers nicht sonderlich gut gelungenem Vorgänger. Doch genau wie bei den Guardians erzählt Gunn von seltsamen Comicfiguren, die kaum jemand kennt.

Dazu gehört auch der Peacemaker, der ursprünglich kein DC-Charakter war, sondern 1966 für die Charlton Comics kreiert wurde. Nach dem Konkurs des Verlags nahm sich DC ab 1988 der Figur an, die immer wieder verändert wurde und es nie in die erste Liga der Superhelden schaffte.

Doch der vom muskulösen John Cena in The Suicide Squad verkörperte, ziemlich durchgeknallte Peacemaker hinterließ einen bleibenden Eindruck, als er mit Idris Elba als Bloodsport einen brutalen mit einer bitteren Pointe endenden Wettkampf darum veranstaltet, wer seine Gegner am originellsten tötet. James Gunn war so überzeugt von John Cena, dass er mit diesen eine ziemlich schräge Peacemaker-Serie drehte, die fortgesetzt wurde.

Cover von Juan Ferreyra

Film und Serie hatten auch Einfluss auf die Comics, wie ein interessant zusammengestellter Band bei Panini belegt. Genau wie James Gunn nahm sich auch der Autor Garth Ennis (Preacher, The Boys) bei seinem von Garry Brown gezeichneten Comic Disturbing the Peace, alle erdenklichen Freiheiten. Wie in seinen besten Comics geht es auch hier darum, was der Krieg aus den Menschen macht.

Variantcover von Garry Brown

Kunstvoll verschachtelt erzählt Ennis davon, wie Christopher Smith zu jemanden wird, der davon überzeugt ist, dass es ohne konsequent eingesetzte Brutalitäten keinen Frieden gibt. Smith ist auch hier ein permanent gewaltbereiter Psychopath, kommt jedoch deutlich intelligenter rüber als im Kino oder TV und lässt eher an die von Ennis für Marvel geschriebenen realitätsnahen Punisher-Comics denken.

Variantcover von Amanda Conner

Bemerkenswert an dem Comic ist, dass der Peacemaker darin niemals sein ziemlich lächerliches Kostüm trägt. Garth Ennis hat ein sehr kritisches Verhältnis zu Superhelden und macht sich oft einen Spaß daraus diese zu veralbern. Doch auf den von Juan Ferreyra gestalteten Titelbild und den ebenfalls im Panini-Band (leider recht kleinformatig) abgebildeten Variantcovern von Garry Brown, Bryan Brown und Amanda Conner ist Christopher Smith als der Mann mit dem Goldhelm zu sehen.

Cover von Chris Anka

Neben der 38-seitigen Story von Ennis enthält der Sammelband von Panini noch eine weitere, deutlich andere Version des Peacemakers. In der aus sechs Heften bestehenden Miniserie Peacemaker Tries Hard! versucht es der durch seine Comics mit Rick and Morty bekannte Kyle Starks in Sachen cleverer Superhelden-Satire mit James Gunn aufzunehmen.

Das klappt nicht wirklich, auch wenn die Zeichnungen und Layouts des Briten Steve Pugh (2020 Visions), sowie die plastisch kolorierten Cover von Chris Anka nicht ohne sind. Doch so richtig mitreißend oder wirklich komisch ist es nicht, wenn Peacemaker zusammen mit seinem Bewährungshelfer Red Bee gegen einen als Hirn in einer Glaskugel lebenden Superschurken und seinen Gorilla-Schergen Monsieur Mallah antritt, um einen gekidnappten Hund namens Bruce Wayne zu befreien.

Recht gut fängt die Miniserie allerdings die aus James Gunns TV-Serie bekannte Charakterisierung der Hauptfigur ein. Auch in Starksʼ Comic ist der Peacemaker ein einsamer Eigenbrötler, der immer noch daran zu knabbern hat, dass sein Vater ihn nicht akzeptiert und der gerne Freunde hätte. Wenn Starks dieser traurigen Figur in Peacemaker Tries Hard! (Vorsicht, Spoiler!) ein Happy End spendiert, dann ist dies ähnlich ergreifend, wie so mancher überraschend pathetische Moment in den Filmen von James Gunn.

Heiner Lünstedt

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