Timur Vermes: Comicverführer

Nachdem sein Roman Er ist wieder da zu einem Weltbestseller wurde, bekam der bereits zuvor als Journalist tätige Timur Vermes 2016 das Angebot Comicrezensionen auf Spiegel Online zu veröffentlichen. Diese Texte, die hier zu finden sind, gehören zum Intelligentesten und Kurzweiligsten, was im deutschsprachigen Raum zum Thema Comics geschrieben wurde.

Leider beendet Spiegel Online die Zusammenarbeit mit Vermes weitestgehend. Das ist sehr schade und umso erfreulicher ist, dass dieser ein inhaltlich aber auch optisch großartiges Buch über sein Lieblingsthema geschrieben hat. Genau wie seine Spiegel-Texte richtet dieses sich ausdrücklich nicht an Experten, sondern Vermes strebt an, aus seinen Lesern Comicfans zu machen.

Um Hemmschwellen abzubauen, bekennt er im Vorwort, dass sein Geschmack “nicht außergewöhnlich“ sondern “näher an Pommes und Bratkartoffeln als an der Molekularküche“ ist. Als nahezu lebenslanger Comicleser beschreibt der 1967 in Nürnberg geborene Autor sehr plastisch jene Zeit der Pubertät, als bei ihm “auf einmal Schluss mit lustig“ war, weil Mädchen wichtiger wurden als Comics. Wer noch heute als Erwachsener denkt: “Tja, aus dem Alter für Comics bin ich raus“, dem liefert Vermes mit seinem Buch schlüssige Thesen dafür, dass jetzt die “Zeit für andere Comics“ ist.

In 36 originell aufgebauten Kapiteln empfiehlt er Comics, die dabei helfen das Medium neu- oder wiederzuentdecken. Dabei greift er natürlich auch auf seine Spiegel-Texte zurück, denn selbst nach einigen Jahren ist er immer noch der Meinung ist, dass die gefällig in Szene gesetzten Comicreportagen von Sarah Glidden (Israel verstehen) den mit sehr viel weniger Rücksicht auf den Leser erzählten Berichten aus Krisengebieten von Joe Sacco (Palästina) deutlich unterlegen sind. Doch Vermes grast nicht nur Genres wie Western, Funny, Sex oder Literaturadaption und auch ein wenig die Mangas ab, sondern gibt angehenden Lesern auch Lebenshilfe.

Es ist zu erfahren, wie blitzschnell das Comiclesen erlernt werden kann, wie Comics preiswerter zu erwerben sind, was nach Meinung des Autors von Graphic Novels zu halten ist und warum Werke wie Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters, Maus, Ein Vertrag mit Gott oder Watchmen immer wieder neu entdeckt werden können und sollten. Zusätzlich gibt es als als sogenannte Outtakes pointiert formulierte Kurzrezis, die auch schon einmal vor zu Unrecht in den Himmel gelobten Werken warnen.

Das Ganze ist zudem auch noch so großartig layoutet und bebildert, dass sich der Vergleich zum genialen Bart-und-Scheitel-Cover von Er ist wieder da förmlich aufdrängt. Es bleibt nur noch zu sagen: Absolute Leseempfehlung!

Heiner Lünstedt

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