Sabrina Schmatz: München 1945 – Gesamtausgabe 2

Die Beziehung zwischen der 21-jährigen Krankenschwester Konstanze Hofer und dem 25-jährigen amerikanische Sanitäter Daniel Stevens wird immer fester – unbeschwerte Tage inklusive. Aber sie wird auf harte Bewährungsproben gestellt.

Der extreme Kontrast – auf der einen Seite ein verheerender Krieg mit all seinen Grausamkeiten – und auf der anderen Seite die beginnende Liebesgeschichte zweier Menschen – sind ein sehr geschicktes, wenn auch nicht einfaches Setting. Eine Geschichte, die sehr viele Themen und moralische Grundsatzfragen des menschlichen Daseins anspricht und sich mit ihnen auseinandersetzt, mit Wendungen und Positionen.

Liebevoll und prägnant charakterisiert Sabrina Schmatz in München 1945 die handelnden Personen. Ihre poetischen Bleistift-Zeichnungen wirken skizzenhaft, passen einfach zu Zeit und Stimmung, geben Dynamik und Lebendigkeit. Die junge Autorin präsentiert uns hier eine starke, überzeugende weibliche Protagonistin, die selbstbewusst ihr Schicksal in die Hand nimmt.

Ein überzeugender erwachsener Comic, der lehrt, dass, wenn zwei aufeinander zugehen und sich verstehen möchten, dann kann sich zwischen ihnen eine aufrichtige Liebe nach und nach entwickeln. Die digital leicht überarbeiteten Bilder erzielen Stimmung und Tiefe.

Die ersten zehn Seiten werden dieses Mal koloriert präsentiert – im ersten Band waren es nur vier. Dieses Mal hat die Ausgabe 40 Seiten mehr – der Preis ist geblieben. Die überarbeitete Gesamtausgabe wurde darüber hinaus um einige Rechtschreibfehler korrigiert.

Zusätzliche Informationen, wie zum Beispiel eine Comic-Seite bei Sabrina Schmatz entsteht, neues Artwork, Abbildungen der sechs Cover der Erstausgaben vom Schwarzen Turm, ein Nachwort runden das Werk ab.

Norbert Elbers

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Lucky Luke – Neue Gesamtausgabe 3

Auch der dritte Band der neuen Gesamtausgabe überzeugt nicht nur dadurch, dass hier alle Abenteuer von Lucky Luke chronologisch zum Abdruck kommen. Dank einer ausführlichen Einleitung ist auch sehr viel über die Entstehung der enthaltenen Comics zu erfahren. So war die Zeit von 1952 bis 1956 ein entscheidender Abschnitt, in dem Entscheidungen getroffen wurden, die maßgeblich dazu beitrugen, dass Lucky Luke zu einem Klassiker wurde.

Als Maurice De Bevere alias Morris an Das Elixier von Doc Dowey arbeitete, hatter er sich bereits sehr gut in New York eingelebt. Dank seiner Freundschaft zu Harvey Kurtzman und Will Elder war er direkt dabei, als MAD seine Premiere erlebte. Kurtzmans respektloser Humor, aber auch die grelle Farbgebung der Parodien im zunächst noch als Comicheft veröffentlichten Satiremagazin, sollten die zukünftige Entwicklung von Lucky Luke maßgeblich beeinflussen.

Wahrscheinlich hing auch die Entscheidung, einen aus dem Kino bekannten Darsteller gegen Lucky Luke antreten zu lassen, mit MAD zusammen, denn dort wurden sehr gerne erfolgreiche Filme parodiert. Den begeisterten Kinogänger Morris inspirierte der Auftritt von Jack Palance (City Slickers) in Mein großer Freund Shane dazu, den markanten Nebendarsteller als Comic-Schurken zu karikieren.

Lucky Luke gegen Phil Steel war das letzte Album, das Morris nicht nur zeichnete, sondern auch textete. Das wohl Wichtigste, was Morris aus den USA in seine belgische Heimat mitbrachte, war seine Freundschaft mit René Goscinny. Es war für Morris eine große Erleichterung und für Lucky Luke ein gewaltiger Fortschritt als Goscinny das Szenario zu Die Eisenbahn durch die Prärie schrieb.

Es sei aber auch angemerkt, dass Morris ebenfalls ein äußerst talentierter Autor war, der bevor 1955 Goscinny einstieg, bereits 346 Lucky-Luke-Comicseiten voller ebenso lustiger wie intelligenter Einfälle zu Papier gebracht hatte. Daher ist Die Eisenbahn durch die Prärie noch nicht der ganz große Quantensprung.

Vielleicht wurde meine Einschätzung auch ein wenig dadurch beeinflusst, dass Goscinnys erstes Lucky-Luke-Album im Gegensatz zu den nachfolgenden Comics nicht von Gudrun Penndorf übersetzt wurde. Diese hätte ganz sicher jenen Indianerhäuptling, der im französischen Original “affreux vautour“ (“scheußlicher Geier“) heißt, nicht als “geiler Geier“ eingedeutscht…

Heiner Lünstedt

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Frank Margerin: Lucien Gesamtausgabe

Es ist etwas ruhig geworden um Lucien, den Mann mit der Bananen-Tolle, der in der Pariser Vorstadt mit seinen Kumpels Gillou, Ricky und Riton abhängt. Die letzten Lebenszeichen gab es hierzulande Anfang der 90er-Jahre bei Carlsen, doch jetzt kommt es ganz dick.

Frank Margerin: Lucien Gesamtausgabe

Frank Margerin schuf Lucien 1979 eigentlich nur für eine der Rockmusik gewidmete Ausgabe des legendären Fantasy-Magazins Métal hurlant. Doch der Möchtegern-Rockstar kam so gut an, dass weitere Aufritte und zahlreiche Alben folgten. Basierend auf der dreibändigen französischen Intégrale-Edition startet der München Riedl Verlag jetzt eine Gesamtausgabe mit den Erlebnissen der Vorstadtgang.

Frank Margerin: Lucien Gesamtausgabe

Der erste Band enthält die Alben Wählt Rocky, Metallische Bananen, Radio Lucien und Café Lucien mit Wählt Rocky, Metallische Bananen, Radio Lucien, Café Lucien mit insgesamt mehr als sechzig meist recht kurzen, gelegentlich auch schwarzweißen Comics in unchronologischer Reihenfolge. Als Anhang gibt es ein Dossier mit den Titelbildern der französischen Ausgaben und eine Chronologie der deutschen Margerin-Veröffentlichungen.

Frank Margerin: Lucien Gesamtausgabe

Trotz seines Rocker-Looks ist Lucien keineswegs ein Bürgerschreck. Die meist in Paris – aber auch am Meer oder auf der Skipiste – spielenden Geschichten handeln von liebenswürdigen Typen und haben oft überraschende Pointen. So scheint es Lucien im Onepager Der Anmach-Trick mühelos zu gelingen, sich mit einem attraktiven Mädchen zu verabreden. Doch im letzten Panel ist zu sehen, dass es sich nicht um eine echte Anmache handelt, sondern ein Werbespot für Zahnpasta mit Lucien in der Hauptrolle gedreht wird.

Schön, dass der Vorstadt-Casanova endlich zurück ist!

Heiner Lünstedt

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