Hägar – Gesammelte Chroniken

Im Mai 2017 hatte Egmonts Gesamtausgabe von Dik Brownes Hägar mit der Veröffentlichung des 29. Bandes die damalige Gegenwart fast eingeholt. Das schon lange vergriffene Buch enthielt alle zwischen Anfang 2014 und Ende 2016 in den Zeitungen veröffentlichten Tagesstrips. Die querformatige Hardcover-Reihe wurde nach dem Erscheinen dieses Bandes eingestellt und die fehlenden Hägar-Sonntagsstrips nicht mehr nachgeliefert.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Mittlerweile hat der All Verlag seine Gesammelten Chroniken von Hägar gestartet, in denen in der korrekten Reihenfolge jahrgangsweise Sonntags- und Tagestrips zum Abdruck kommen. Die querformatigen Hardcover Bände erscheinen “regal-kompatibel“ zur Egmont-Ausgabe in der gleichen Höhe von 17 cm, sind allerdings etwas breiter, wodurch die Comics leicht vergrößert reproduziert werden konnten.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Das Lettering und die Übersetzung von Michael Bregel sind gleichgeblieben. Doch historisch korrekt startet der Band mit Hägars ersten Comicauftritt vom Sonntag dem 4. Februar 1973. Bereits am darauffolgenden Samstag gelang Dik Browne ein unvergesslicher Klassiker, der die Genialität seines Konzepts verdeutlicht.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Im Strip vom 10. Februar 1973 steht Hägar in tapferer Pose mit Schwert und Schild vor seiner Frau Helga und ruft martialisch aus: “Der Wind weht gen England, der Mond schreit nach Blut. Ruhm und Ehre warten, ich sag nur… mach´s gut!“ Seine Ehefrau Helga erwidert ungerührt: “Nimm bitte den Müll mit raus.“

Hägar – Gesammelte Chroniken
Band 1 der Gesammelten Chroniken enthält ein interessantes Nachwort von Dr. Stefan Schmatz.

Genau diese Mischung aus Historien-Klischees und zeitloser Alltäglichkeit, die auch schon die Familie Feuerstein zu einem so großen Erfolg werden ließ, machte Hägar the Horrible nahezu augenblicklich zu einem gewaltigen Erfolg. Noch heute erscheint die mittlerweile von Dik Brownes Sohn Chance gestaltete Serie weltweit täglich in fast 2.000 Zeitungen.

Hägar – Gesammelte Chroniken

Zeitgleich mit der 1973er-Edition veröffentlicht der All Verlag einen weiterer Band der Gesammelten Chroniken.  Dieser schließt nahtlos an Egmonts Gesamtausgabe an und enthält alle 2017 entstandenen Hägar-Comics, die seinerzeit von Dik Brownes Sohn Chris gezeichnet wurden.

Heiner Lünstedt

„Hägar – Gesammelte Chroniken 1973“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

F. Ibáñez: Ausgeflippt – Fischstraße 13

Endlich ist sie da, die Fortsetzung der Reihe F. Ibáñez präsentiert:. Gut zwei Jahre nach Tom Tiger präsentiert uns der spanische Meisterzeichner Francisco Ibáñez (Clever & Smart wurde bei Carlsen ebenfalls neu aufgelegt) seine legendären Bewohner der Fischstr. 13.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Konzeptionell weniger ein Comic als eine Sammlung von Cartoons. Jede Seite zeigt den Querschnitt eines dreistöckigen Mietshauses mit immer den gleichen Zimmern und Bewohnern. Dort gibt es etwa im Erdgeschoß einen Tante-Emma-Laden, dessen Besitzer mit allen Tricks arbeitet.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Ein Stockwerk darüber betreibt ein Tierarzt seine Praxis für ganz schwierigen Fälle. Im zweiten Stock führt ein unheimlicher Monster-Doktor die bizarrsten Experimente durch. Im selben Haus wohnen auch eine tierliebe alte Dame, die immer wieder Opfer ihrer Schützlinge wird, sowie ein Gauner, der seiner Frau das irrsinnigste Diebesgut mitbringt und viele weitere Mieter…

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Zeichnerisch sieht das Ganze aus wie eine Humorseite aus alten Tagen. Das Artwork wirkt altbacken und die Gags zünden oft nicht wirklich. Erst durch die “Lektüre“ mehrerer Seiten und das Kennenlernen der Mieter gewinnt das Ganze. Der rote Faden sind die Bewohner und ihre Eigenheiten. Wie bei einer Soap Opera schmunzelt der Betrachter,  nachdem er die Charaktere erst einmal ins Herz geschlossen hat, auch über die weniger guten Gags.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13

Weil eine klare Handlung fehlte, konnte sich der junge Ibáñez bei 13, Rue del Percebe ab 1961 richtig austoben. So taucht beispielsweise das Monster von Loch Ness aus der Kanalisation auf, illegale Untermieter werden in Flaschen und Schubladen gequetscht und der besagte Monster-Doktor sucht per Aushang einen Tester für Sitzgelegenheiten, ohne zu verraten, dass es sich dabei um elektrische Stühle handelt.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13
Condor Verlag

Besonders originelle Resultate erzielen Themen, die sich aufs ganze Haus auswirken. Wenn beispielsweise, weil im Sommer das Eis knapp wird, ein Wal per Flaschenzug an der Fassade hochgezogen wird, oder aufgrund eines Erdbebens das ganze Haus kopfsteht. Bizarrer, verspielter und schwarzhumoriger waren auch Clever & Smart in ihren besten Jahren nicht. Wenn man so möchte: Ibanez pur und unzensiert.

F. Ibáñez präsentiert: Ausgeflippt - Fischstraße 13
Carlsen

Die Seiten wurden neu eingescannt und koloriert und sehen sehr viel besser aus, als in den Ausgaben die bei uns von 1981 bis 1986 fünfzehn Bände beim Condor Verlags erschienen sind. Der Text wurde von Steffen Haubner neu übersetzt. Einziges Manko: Es gibt weder eine Einleitung noch ein Nachwort. Im Gegensatz zur Tom Tiger-Ausgabe ist diesmal nichts über die Serie und ihre Entstehung zu erfahren. Ich hoffe auf Besserung beim nächsten Band von F. Ibáñez präsentiert:, mein Vorschlag wäre Mein Gott, Walter?

Matthias Schäfer

„F. Ibáñez präsentiert 2: Ausgeflippt“ als Comic bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Popeye – Bibliothek der Comic-Klassiker

Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt, doch gut zweieinhalb Jahre nach dem ursprünglichen Erscheinungstermin, wurde Carlsens Bibliothek der Comic-Klassiker um einen Band über E. C. Segars Popeye ergänzt. Das Warten hat sich gelohnt.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Das Buch kommt im Pappschuber und Querformat daher und enthält farbige Sonntagsseiten die zwischen 1933 und 1938 in den Zeitungen veröffentlicht wurden. Darunter befinden sich auch die beiden Geschichten Plünder Eiland und Goldfund am Schlangenbach, sowie die Onepager- Sammlung Popeye, Papi und Popi.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Außerdem gibt es noch ein sehr interessantes (und unerlässliches) Vorwort von Alexander Braun (Will Eisner – Graphic Novel Godfather). Dieser widmet sich dem vermeintlichen Antisemitismus durch die Figur George W. Geezil dem Erzfeind von Popeyes Freund Wimpy, der in der deutschen Ausgabe Kolja K. Kauzich heißt. (Anmerkung hierzu: E.C. Segar war Jude). Mehr über Popeyes Entstehungsgeschichte und Wissenswertes aus dem Segar-Universum ist im Nachwort von Ralph Trommer zu erfahren.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Die Übersetzung stammt von Matthias Wieland, dem einige gelungene Sprüche eingefallen sind, um Segars Popeye-Kauderwelsch in die heutige Zeit übertragen. Beispiel: „Das ist dein Problem, Wimpy: Man reicht dir den kleinen Finger und du nimmst gleich die ganze Anatomerie“. Überhaupt braucht der Band den Vergleich mit der legendären Popeye– Ausgabe des Mare Verlags von 2006 nicht zu scheuen, sondern ist eine gute Ergänzung dazu, lediglich die Geschichte Plünder Eiland ist in beiden Ausgaben enthalten.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Zu Segars Humor wurde vermutlich schon alles gesagt. Deutlich wird bei dieser Zusammenstellung, wie mannigfaltig dieser gerade in den Onepagern daherkommt. Mal gibt es Slapstick, dann geht es surreal oder grotesk zu. Bisweilen gleiten die Geschichten auch ins Melancholische oder Dramatische ab, bleiben dabei aber immer human und lebensbejahend.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

Wie kein anderer Comiczeichner war Segar ein Chronist der Depressions-Ära der 30er-Jahre, der wusste, was sein Publikum brauchte. Sein oft unterschätzter, vermeintlich simpler Federstrich, der die Mimik seiner Protagonisten auf den Punkt bringt, unterstreicht die Bodenständigkeit von Popeyes (und E.C. Segars) Charakter.  Die hier gezeigte Welt – irgendwo zwischen Vaudeville-Humor und purer Poesie – bringt Segar stimmig bis in den letzten Kringel zu Papier.

Popeye - Bibliothek der Comic-Klassiker

E.C. Segar starb 1938 mit nur 44 Jahren. Was wohl aus Popeye geworden wäre, hätte sein Schöpfer sich ihm länger als zehn Jahre widmen können? Fakt ist, dass kein Popeye-Zeichner nach Segar je wieder dessen Niveau erreicht hat. Hier sind sie nun endlich, die originalen, unverstellten Popeye-Comics vom Meister.

Matthias Schäfer

„Popeye – Bibliothek der Comic-Klassiker“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Die Känguru-Comics

Zuerst als Podcast und dann in Buchform schildert Marc-Uwe Kling seit 2008 sein nicht unkompliziertes Zusammenleben mit einem aus Ostdeutschland stammenden Känguru, das einfach in seine Wohnung gezogen ist. Kling beschreibt seine Erlebnisse mit dem Beuteltier in kurzen, pointierten, in sich abgeschlossenen Kapiteln und seine vier Känguru-Bücher erreichten Millionenauflagen.

Die Känguru-Comics

Da konnte eine Verfilmung natürlich nicht ausbleiben und mit Die Känguru-Verschwörung steht im August bereits eine Fortsetzung an. Seit dem 29. November 2020 gibt es zudem noch Die Känguru-Comics. Diese erschienen werktäglich auf Zeit Online und es handelt sich dabei um Material, das Marc-Uwe Kling eigens für die Comic-Serie geschrieben hat.

Die Känguru-Chroniken

Die im allerfeinsten Funnystil realisierten Zeichnungen stammen von Bernd Kissel (Freistaat Flaschenhals). Genau wie die Zeitungs-Serien in den USA erscheinen auch Die Känguru-Comics unter der Woche als schwarzweißer meist aus vier Panels bestehender Strip und am Samstag als etwas längere farbige Comicgeschichte.

Die Känguru-Chroniken

Auslöser für die Entstehung des Comics war die Pandemie, durch die Kling keine Auftrittsmöglichkeiten mehr hatte und “sich etwas anderes suchen musste, um die Zeit totzuschlagen“. Auch daher beschäftigen sich die Känguru-Comics – ähnlich wie Volker Reiches in der FAZ veröffentlichte Serie Strizz – mit der aktuellen Nachrichtenlage. Daher hatte der Lockdown unmittelbare Auswirkungen darauf, was im Comic passierte. So sagt etwa das Känguru recht treffend zu Marc-Uwe: „Es wird Zeit, dass wir wieder unter andere Leute kommen.“

Die Känguru-Comics

Doch auch weitere Ereignisse inspirierten Kling. So gibt es einem “Strip im Strip“ namens Elon & Jeff on Mars, der von zwei Milliardären handelt, die sich auf einem unbewohnten Planeten gehörig auf den Keks gehen. Zu allem Überfluß bekommt das Duo auch noch Besuch von William Shatner.

Die Känguru-Comics

Mittlerweile ist bei Carlsen ein erstes Album mit den Känguru-Comics erschienen. Der querformatige Hardcoverband enthält alle Comics die 2020 und 2021 (im Juli gab es eine Sommerpause) erschienen sind. Zusätzlich gibt es noch ebenso aufschlussreiches wie amüsantes Bonusmaterial, enthalten sind etwa die ersten Skizzen, die dem Känguru gar nicht gefallen haben…

Heiner Lünstedt

„Die Känguru-Comics“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Osamu Tezuka: Die Geschichte der 3 Adolfs

Während der Olympischen Spiele 1936 wird in Berlin der Bruder des japanischen Sportjournalisten Sohei Toge ermordet. Gleichzeitig wird in Kobe eine erwürgte Geisha aufgefunden. An den Händen beider Leichen befinden sich Gipsspuren. Die Morde stehen anscheinend im Zusammenhang mit einem Dokument, das beweist dass Adolf Hitler einen jüdischen Großvater hatte. Sohei Toge ermittelt auf eigene Faust und gerät dadurch in arge Schwierigkeiten.

Osamu Tezuka: Die Geschichte der 3 Adolfs

Neben dieser Haupthandlung erzählt Osamu Tezuka (Astro Boy, Kimba – Der weiße Löwe) über die Freundschaft von zwei blonden deutschstämmigen Jungen, die in Japan leben und beide den Vornamen Adolf haben. Während der eine Adolf jüdische Eltern hat, ist der andere Adolf der Sohn eines Nazi-Karrierediplomaten und einer Japanerin und wird nach Deutschland auf eine Eliteschule der Hitlerjugend geschickt. Dort wird seine Freundschaft zum anderen Adolf auf die Probe gestellt und er trifft auch noch auf den dritten Adolf.

Osamu Tezuka: Adolf Bd. 1 - Mord in Berlin

Orientiert an tatsächlichen Begebenheiten, aber trotz eingefügter Zeittafeln nie trocken, erzählt der Altmeister des Mangas 1988 eine spannende Geschichte, die in ihrer packenden Mischung aus persönlichen Schicksalen und historischen Großereignissen an Herman Wouks Feuersturm-Romane erinnert.  Der Manga geht dabei verantwortungsvoll mit der Materie um. Ähnlich wie Keiji Nakazawa Serie Barfuss durch Hiroshima arbeitet Tezuka die unverantwortliche japanische Politik der 30er-Jahre auf, die das Land an der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands schließlich in den Zweiten Weltkrieg führte.

Osamu Tezuka: Adolf Bd. 1 - Mord in Berlin
© 2022 by Tezuka Productions / Carlsen

Nachdem die Serie bereits sehr erfolgreich in den USA veröffentlicht wurde, erschien Adolf bei uns erst 2005 mit einer Verspätung von über 20 Jahren in westlicher Leserichtung. Aktuell startete Carlsen eine Neuausgabe in drei Bänden.

Heiner Lünstedt

„Die Geschichte der 3 Adolfs – Band 1“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Die anregende Lektüre des ersten Teils der von Alessandro Ferrari verfassten und von Flavia Scuderi sehr sinnlich in Szene gesetzten Biografie von Marlene Dietrich, weckte Neugierde auf einen zweiten Comic zum selben Thema.

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Pünktlich zum 120. Geburtstag des Hollywoodstars veröffentlichte Knesebeck eine Graphic Novel über das bewegte Leben der Dietrich. Ich muss allerdings zugeben, dass das Werk schon eine ganze Weile ungelesen bei mir herumlag, da mir die blassen und nur sehr selten farbigen Bilder von Claudia Ahlering ein wenig den Zugang zum Comic verbaut hatten.

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Doch wie so oft, wenn sich endlich einmal auf eine fremd wirkende Sache eingelassen wird, waren alle Bedenken schon nach wenigen Seiten verflogen. Eigentlich verwundert dies nicht, denn Autor ist Julian Voloj, der mit Claudia Ahlering bereits bei einer Comic-Adaption Annette von Droste-Hülshoffs Novelle Die Judenbuche zusammenarbeitete.

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Voloj ist Spezialist für gut recherchierte und etwas sperrig in Szene gesetzte Comic-Biografien. Carlsen veröffentlichte seine bemerkenswerten Werke über das tragische Leben des Superman-Co-Schöpfers Joe Shuster, über den Ausnahmekünstler Jean-Michel Basquiat und den Erfolgs-Fußballer Oskar Rohr.

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Ausgangspunkt des Dietrich-Comics ist ein Interview, dass ein junger Journalist mit der zurückgezogen lebenden Dietrich in ihrer Pariser Wohnung führt. Diesem etwas formelhaften Ansatz trotzt Voloj eine ziemlich großartige Schlusspointe ab. Der Comic überzeugt auch dadurch, dass Voloj gar nicht erst versucht, sämtliche Stationen eines bewegten Lebens zwischen zwei Buchdeckel zu packen.

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Stattdessen konzentriert er sich auf einige “Augenblicke eines Lebens“. Dazu gehört Marlene Dietrichs ungewöhnlich vertrauensvolle Beziehung zu ihrem Ehemann Rudolf Sieber. Mit diesem blieb sie zeitlebens verheiratet, obwohl es zu Liebesbeziehungen mit Josef von Sternberg und Jean Gabin kam, die alles andere als kurze Affären waren.

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Interessant ist auch, dass Marlene behauptete Einzelkind zu sein, nachdem sie herausfand, dass ihre Schwester Elisabeth Will zur Unterhaltung des Wachpersonals vom KZ Bergen-Belsen ein Kino betrieben hatte. Bemerkenswert ist auch, dass die 1960 in Berlin als “Vaterlandverräterin“ beschimpfte Dietrich in Israel als erste Künstlerin Lieder in deutscher Sprache gesungen hatte.

Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens

Abgerundet wird der Comic durch Biografien der historischen Figuren, die darin “Gastauftritte“ absolvierten und ein interessantes Nachwort von Julian Voloj über den “Mythos Marlene“.

Heiner Lünstedt

„Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Flavia Scuderi: Marlene Dietrich

Bei Panini sind mit Chaplin: Ein Leben für den Film und Monroe – Ein Hollywoodmärchen! die beiden ersten Ausgaben der frankobelgischen Reihe Les étoiles de l’histoire erschienen. Doch anstatt den dritten Band mit der Comic-Biografie von Brigitte Bardot folgen zu lassen, veröffentlicht Panini in ähnlicher Aufmachung den ersten Teil der Lebensgeschichte von Marlene Dietrich.

Flavia Scudery: Marlene Dietrich

Bereits 2013, nachdem sie eine bei Knesebeck erschienene Biografie über Richard Wagner gezeichnet hatte, arbeitete Flavia Scuderi zusammen mit ihrem damaligen Texter Andreas Völlinger an einen Comic über Marlene Dietrich. Doch das Projekt kam nicht so recht voran. Mittlerweile ist bei Knesebeck einen der von Julian Voloj geschriebene und von Claudia Ahlering gezeichnete Comic Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens erschienen.

Flavia Scudery: Marlene Dietrich

Flavia Scuderi dachte eine Weile darüber nach, einen Comic über Marlene Dietrich nicht nur zu zeichnen, sondern auch noch zu schreiben. Doch ein guter Freund von ihr, der Star-Wars- und Disney-Autor Alessandro Ferrari ist ebenfalls ein großer Fan der Dietrich und übernahm er sehr gerne das Texten. Bei ihrer Zusammenarbeit stellten Scuderi und Ferrari fest, dass das schillernde Leben des Weltstars unmöglich in einem 50- oder 60-seitigen Comic-Album zu erzählen ist.

Flavia Scudery: Marlene Dietrich

Einigermaßen chronologisch wird in erster Linie Marlenes Jugend unter der Knute der sehr fordernden Mutter, das wilde Leben im Berlin der 20er-Jahre, sowie der Aufstieg zum Tonfilm-Star geschildert. Der erste Band endet kurz vor dem Beginn der Hollywood-Karriere. Doch gelegentlich blickt Ferrari auch in die Zukunft. So lässt er anfangs an den gegnerischen Fronten des Zweiten Weltkriegs den Song „Lily Marlen“ erklingen oder zeigt Marlene, wie sie 1956 auf einer Abendgesellschaft bei Billy Wilder durch die Schilderung ihrer sexuellen Präferenzen schockiert.

Flavia Scudery: Marlene Dietrich

Flavia Scuderi arbeitet diesmal sehr viel weniger kleinteilig als bei ihrem Wagner-Comic. Häufig gibt es ganzseitige Bildcollagen mit treffend eingefangenen Schlüsselszenen aus Filmklassikern zu bewundern. Der Stil wechselt je nach Stimmungslage der Erzählung. Die vielseitig talentierte Comic-Künstlerin meint dazu: “Mal ist es also realistischer gezeichnet, mal ein bisschen mehr Manga oder ein bisschen wie Disney.“ So kann es gerne weitergehen und es darf sich auf den zweiten Band gefreut werden.

Heiner Lünstedt

„Marlene Dietrich – Comicbiografie Band 1“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Die! Die! Die!

Eigentlich waren John, Paul und George Vierlinge. Doch Ringo hatte nicht den nötigen Killerinstinkt und wurde von seinen Brüdern getötet. Dies ist nur eine der zahlreichen aberwitzigen Ideen, die Robert Kirkman (Outcast, Oblivion Song) zusammen mit dem Zeichner Chris Burnham (Nameless), sowie dem zuvor als Autor und Produzent bei der Serie The Walking Dead tätigen Scott M. Gimple auf die Comicleser loslässt.

Die! Die! Die!

Die turbulent erzählte Geschichte handelt von der geheimen US-Organisation Kabale, die Böses tut, um Schlimmes zu verhindern. Hauptverantwortliche ist Senatorin Connie Lipshitz, eine idealistische Zynikerin, die abwägt, wer gezielten Attentaten zum Opfer fallen soll, damit die Welt ein Stück weniger schlecht wird.

Die! Die! Die!

Rund um den Globus sind daher gewaltbereite Individualisten wie John, Paul und George unterwegs, um ihr blutiges Handwerk zu verrichten und dem Serientitel Die! Die! Die! gerecht zu werden. Das Resultat überzeugt optisch stärker als inhaltlich. Der erste Hardcover-Band von Cross Cult enthält – wie gewohnt, leicht verkleinert – gleich zehn der in den USA bei Image erschienenen Hefte.

Die! Die! Die!

Jedes Kapitel ist dabei ein kleiner James-Bond-Film, denn nach einem mehr oder weniger kurzen Auftakt, kommt – quasi als Titelsequenz – eine von Chris Burnham aufregend layoutete Seite, die von den riesigen Lettern DIE! DIE! DIE! dominiert wird.

Die! Die! Die!

Die Geschichte liefert Burnham auch ansonsten genügend Vorwände für knallige Bilder. Das ganz große Vorbild ist jedoch zweifelsohne Garth Ennis (Preacher, The Boys), dem es immer noch gelingt seine Leser mit drastischen Extrem-Szenen zu überraschen. Bei Ennis, zumindest wenn er einen sehr guten Tag hat, kann Die! Die! Die! nicht mithalten. Für eine Politsatire hingegen setzt die Serie zu stark auf Brachial-Klamauk, kann aber insgesamt passabel unterhalten.

Heiner Lünstedt

„Die! Die! Die! – Band 1“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

The Boys: Diabolical

Corona-bedingt verzögerte sich die Produktion der dritten Staffel der Prime-Adaption der Comic-Serie The Boys von Garth Ennis und Darick Robertson. Als sehr interessante Alternative präsentiert das Produzenten-Team, zu dem auch Seth Rogen gehört, eine Animationsserie, die ebenfalls in einer Welt spielt, in der Superhelden alles andere als ein Segen sind.

The Boys: Diabolical

Zentrales Thema sind die zweifelhaften Machenschaften des Konzerns Vought International, der mit Säuglingen die Substanz Compound V injizieren lässt. Diese können dadurch zu von Vought vermarktete Superhelden werden. Sehr viel wahrscheinlicher sind jedoch höchst unangenehmen Nebenwirkungen.

The Boys: Diabolical

Die acht Episoden von The Boys: Diabolical erzählen in jeweils wenig mehr als zehn Minuten in sich abgeschlossene Geschichten aus dem Universum von The Boys. Bemerkenswert ist, dass thematisch passend für jede Geschichte ein anderer Animationsstil aus dem breiten Spektrum zwischen Looney-Tunes-Cartoon und Anime gefunden wurde.

The Boys: DiabolicalZudem überrascht, die aus Comic und Serie bekannten Hauptfiguren der TV nur sehr selten im Zentrum der Serie stehen. Die letzte Episode One Plus One Equals Two erzählt von einem Einsatz, den der frisch zum Anführer des Superhelden-Teams The Seven ernannte Homelander total verbockte.

The Boys: Diabolical

Die schwarzhumorige Episode I’m Your Pusher hingegen schrieb Garth Ennis höchstpersönlich und hier ist die Wahl der Sprecher in der Originalfassung höchst bemerkenswert. Anders als in der Prime-Serie kam als Billy Butcher nicht Karl Urban sondern Jason Isaac zum Einsatz, während Wee Hughie von Simon Pegg gesprochen wurde. Der Schotte diente Ennis und Robertson als Vorlage für ihrem Comic-Charakter diente.

I'm Your Pusher

Jede Episode von The Boys: Diabolical ist ein großer – aber auch ziemlich blutiger! –  Spaß.

Heiner Lünstedt

„The Boys # 1: Gnadenlos-Edition“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Jijé: Spirou

“Ich habe diesen Beruf nie so richtig ernst genommen, ich habe ihn nie als meinen Lebenszweck betrachtet, sondern eher als eines der angenehmsten Mittel, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Dieses Zitat stammt vom Belgier Joseph Gillain alias Jijé (Jerry Spring), dessen erste Spirou-Seite am 24. Oktober 1940 veröffentlicht wurde.

Da der Franzose Robert Veller, der Spirou 1938 erfunden hatte und unter dem Pseudonym Rob-Vel zeichnete, in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war, brachte Jijé dessen laufende Comic-Geschichte zu einem raschen Abschluss. Er sprang bis März 1941 ein und hatte keinerlei Probleme damit, den Titelhelden vom Le Journal de Spirou wieder seinem Schöpfer zu überlassen.

Jijé: Spirou
Erste Spirou-Seite von Jijé

Jijé widmete sich anderen Projekten, wie den Abenteuern des Detektives Jean Valhardi oder der Comic-Biografie des Priesters Don Bosco, bevor er wieder beim Pagen landete. Nachdem der Verlag Dupuis 1943 Rob-Vel die Rechte an Spirou abgekauft hatte, übernahm Jijé die Serie erneut. Der Jazz-Fan bevorzugte dabei einen lockeren und spontanen Stil. Außerdem ließ er in seinen Spirou-Comics erstmals Fantasio auftreten.

Jijé: Spirou

Es ist sehr erfreulich, dass sich der Carlsen Verlag nicht darauf beschränkt, in acht fachkundig kommentierten Hardcover-Bänden sämtliche Spirou-Comics von André Franquin zu veröffentlichen und die Gesamtausgabe mit den nachfolgenden Geschichten von Jean-Claude Fournier, Nic & Cauvin sowie Tome & Janry fortzuführen.

Rob-Vel: Spirou

Nachdem zuvor bereits alle Spirou-Comics von Rob-Vel veröffentlicht wurden, präsentiert Carlsen in einem zweiten Classic-Band das von Jijé gezeichnete Material. Bis 1951 brachte Jijé mit circa 150 Seiten sehr viel weniger Comic-Geschichten als sein Vorgänger oder die meisten seiner Nachfolger zu Papier.

Jijé: Spirou

Doch über die Spirou-Comics hinaus hat Jijé auch zahlreiche Cover, Illustrationen, Werbematerialien und Merchandise-Artikel gestaltet, die ebenfalls in diesem Band gewürdigt werden. Nicht zu vergessen ist, dass Jijé außerdem André Franquin sowie dem Lucky-Luke-Schöpfer Morris als Mentor diente und auch dadurch maßgeblich zur Erfolgsgeschichte des (franko-) belgischen Comics beigetragen hat.

“Spirou und Fantasio Gesamtausgabe – Classic 2: Jijé – 1940-1951” bei AMAZON bestellen, hier anklicken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner